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Zehn Pfennig Nostalgie Von Kindheit und KauGummis

Kaugummiautomaten, 10-Pfennig-Stücke und die nicht so guten alten Zeiten. Eine Kindheitserinnerung in deutscher Währungsauflösung.
Von Kindheit und KauGummis

Fix ey! Erinnert sich noch einer an die nicht so guten alten Zeiten? An Zeitalter, in denen ich zum Beispiel – jung und unschuldig – mit stolz herausgestreckter Brust, vor Erwartung ganz angespanntem Gesicht und einer geballten Faust Richtung Kaugummiautomat hüpfte? In Letzterer ein 10-Pfennig-Stück? (Pfennige, omg. Das war mal irgend so eine Währung, hab ich gehört, damals in der Steinzeit, als es all das hier noch nicht gab. Wenn einer online war, stand er auf einer Schnur und ein Blog war ein großes Stück Holz!). Nun, erpicht darauf, den Automaten mit Geld zu erfüllen, näherte sich Kronyboy. Und dann kam der magische Moment, Geld einwerfen, drehen – und ehe ich mich versah, kaute ich auf einem leckeren Kaugummi. Gut, der war nach fünf Minuten durchgekaut, aber egal, einzig der Erfolg zählte.

Und heute? Wenn unsereins heute Gummi kauen will, hat das entweder mit Durex und Konsorten zu tun oder mit extrem teuren und stylishen Edel-Kaugummis, die der letzte Schrei seien sollen. So à la Bubble-Cum. Die sind so was von ultra-modern, dass es schier an ein Wunder grenzt, dass selbige nicht nur einen frischen Atem, sondern auch einen höheren IQ, perfekte Krebsvorsorge, eine AIDS-Impfung und den Weltfrieden bringen. An Kaugummiautomaten zu denken ist für mich gar nicht erst vorstellbar, hieße das doch über – igitt – Kleingeld zu verfügen! Das ist der Haken an der Berufstätigkeit, die Geldkatze ist entweder völlig leer oder nur mit Großgeld Schrägstrich EC-Karten gefüllt.

Aber schon erinnere ich mich an alte Mythen und Erzählungen, in denen eindrucksvolle Techniken angewandt wurden, um Kaugummiautomaten zu knacken. Nicht des Geldes wegen sonder aufgrund der Fünfminutenkaugummis. Man erzählte sich von wahren Trittorgien gegen die Automaten, von ewigen Feuerzeug-ans-Plexiglas-heranhalten-Sessions oder gar von abstrusen Metallsäge-Versuchen. Nichts blieb unversucht, um an den Heiligen Gral, an die Weltformel zu gelangen.

Und dabei ist der Trick so einfach. So billig. Eigentlich zu einfach. So simpel, dass ich in einhundert Jahren nicht darauf gekommen wäre. Manmanman, wäre ich noch einmal 10 Jahre alt und auf normale Kaugummis heiß, riefe man mich “Kronyboy, der Kaugummischreck”! Also höre er gut zu: Man nehme eine kleine Tube Sekundenkleber und eine handelsübliche kontaminierte 20-Cent-Münze. Diese streiche man an den Rändern mit einer dünnen Schicht Sekundenkleber ein und stecke sie anschließend in das Drehschloss eines Kaugummiautomaten. Nach einer kurzen Wartepause ist es dann so weit: Du kannst jetzt so oft am Drehrad drehen, bis der Automat leer ist. Das wars. Keine Tricks, keine Magie, kein Getrete, kein Gesäge und kein herumzündeln. Einfach nur drehen und Kaugummi um Kaugummi in Empfang nehmen. Hätte ich das bereits als Kind gewusst; die alten Zeiten währen doch nicht allzu schlecht verlaufen.