Sechs Verlorene Jahre Jahre des Frusts
Stöbernd ob fehlender Ordnung fielen mir heute letzte Relikte vergangener Jahre in die Hände. Hinterlassenschaften meiner Realschulzeit. Lediglich in den seltensten Momenten erinnere ich mich an jene Ära zurück; an sechs verfluchte Jahre puren Leidens. An eine emotional verstümmelnde Ansammlung triefender Einsamkeit, massiven Unverständnisses und innigsten Schmerzes. An fehlende Toleranz, fehlende Unterstützung und notorische Unterforderung.
So saß ich heute also vor den Hinterlassenschaften jener für mich schweren Zeit. Bilder kamen in mir hoch. Lebhafte Fragmente einer konservativen, starren, bayerischen Landschule fern jeglichen Einfühlungsvermögens. Stechende Erinnerungen an einen Platz kollektiven Wegschauens und augenscheinlicher Blindheit gegenüber verzweifelter, seelischer Aufschreie meinerseits. Schreie, die sich über den damals für mich unverständlichen Frust in tief sitzenden Hass gegen mich selbst äußerten, letzten Endes gar in Selbstverletzung – wie den geradezu in Perfektion in die eigene Haut geritzten Botschaften. Innerlich lautlos schreiend weinte ich Tag ein Tag aus heimlich Tränen, die jedoch wie so oft im Nichts verklangen.
Ich befand mich in einem Teufelskreis, wurde depressiv ob des perfiden Zwangs in vorgegebene Strukturen. Schottete mich ab. Baute eine gigantomanische Ansammlung nach innen gerichteter Trauer, Angst und Wut auf. Fühlte mich Zeit meines Schulbesuchs fehl am Platz. O ja, weder vermochte ich meine Schule, noch meine sogenannten “Klassenkameraden” zu leiden, welche mich größtenteils hänselten, verachteten, beleidigten und für dumm verkauften.
Bis heute dauert die Aufarbeitung jener prägenden, in letzter Instanz zum überlebten Selbstmordversuch dauernden Periode an. Rückblickend bleibt mir nur eines zu sagen, liebste ehemalige Schule – ich verfüge wahrlich über keinerlei Interesse, dich und deine damaligen, temporären Bewohner in meinem jetzigen Leben jemals wieder zu sehen. Dachte ich mir heute – und vernichtete froher Miene ob mittlerweile glücklicherer Tage die letzten Zeugnisse damaliger Zeiten.