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Am Abgrund Vorbei I’m sorry, I am

Gestern am Boden, heute wieder stehend. Über den Moment zwischen Zusammenbruch und Weitermachen - ehrlich und ohne Filter.
I’m sorry, I am

Schon seltsam. Gestern noch stand ich auf der Schwelle zur Selbsterlösung; respektive lag zitternd und zusammengekrümmt auf dem harten Boden der unbarmherzigen Tatsachen. Bebend, mit gebrochener Stimme flüsternd um Hilfe flehend; kullernde Tränen benetzten mein von Pein gezeichnetes Gesicht, hervorgerufen durch immer wiederkehrende, krampfhafte Heulanfälle. Und dann war da Blut, nicht viel, aber es folgte ebenso der unausweichlichen Schwerkraft und troff munter in Zeitlupe gen Herzstück unseres Planeten. Wie in Trance setze ich einen digitalen Nachlass auf und verunstaltete eben jenen Artikel hier optisch, um als düsteren Rahmen einer kleinen, verstörenden Abschiedspräsentation meiner selbst zu fungieren. Als Bühne der Credits meines unvollendeten Lebensfilmes. Und als Mahnmal für diejenigen Menschen, welche mich zeit meines Lebens verletzten und im Stich ließen. Ich war überzeugt. Gewillt. Am Ende. Empfand süße Sehnsucht nach dem Tode. Nach der endgültigen Terminierung meiner inneren Qualen. Ich empfand Sehnsucht nach – Freiheit.

Und doch ergriff ich einen rettenden Strohhalm; zog die Reißleine; der letzte Funke glomm nochmals heimelig auf. Ich hielt ein verhältnismäßig langes Gespräch mit der Telefonseelsorge, so verzweifelt dies auch wirken mag. Die Konversation per se ward von Erfolg gekrönt, wenigstens für den Moment – und vertage meine Entscheidung, mit meinem mir gegebenen und ausschließlich von mir selbstverantwortlich fortzuführenden oder zu beendenden Leben abzuschließen.

Was nun folgen wird, sind – Stand des heutigen Tages – Psychopharmaka und Antidepressiva. In Kombination mit einer intensiven Therapie, um mehr als 15 Jahren wuchernder Depression Einhalt zu gebieten. Ein Ringen mit der Zeit, denn ich gab mich bereits auf, zog mich sinngemäß aus meinem eigenen Leben zurück. Es gleicht einem Flugzeug ohne Piloten, einem ICE ohne Lokführer. Und ich bin in der Rolle des gebannt abwartenden Zuschauers meiner selbst – meine Umschreibung der Redensart, neben sich zu stehen. #Eskalation …