Kurz nachdem die erste Staffel der US-Zeichentrickserie „Die Simpsons“ ĂĽber die teils monströsen Röhrenfernseher der Jahre 1989 bis 1990 flimmerte und sich die gelbe Familie damit im Nu in den Herzen der amerikanischen Bevölkerung einnistete, gedieh in den illustren Räumlichkeiten der Firma Geffen Records die formidable Idee, auf den Hypetrain aufzuspringen und den Simpsons parallel zum Produktionsende ihrer zweiten Staffel Ende 1990 ein MusikdebĂĽt in Form eines musikalischen Albums zuteilwerden zu lassen. Selbstverständlich nicht ohne monetären Hintergrund: Es sollte rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft desselben Jahres im Handel erhältlich sein – auf dass der Dollar rolle!

David Geffen, offensichtlicher Namenspatron von Geffen Records, trug seine Idee an Matt Groening und James L. Brooks heran – worauf diese Geld gelb sahen und unmittelbar Feuer und Flamme waren. In der Folge konspirierten die beiden zuletzt genannten Ikonen des Simpsons-Universums, erkoren Hip-Hop und Blues als die treibenden Stile des zu kreierenden Albums aus und ersonnen binnen kĂĽrzester Zeit stolze zehn Liedern. Ein paar entstammten den eigenen Federn, doch der GroĂźteil der Tracks verstand sich als neu interpretierte Hommagen an bereits existierenden Klassikern – oder sie wurden von Dritten komponiert, doch dazu später mehr. Stand nur noch die Herausforderung an, einen erhabenen, epischen, unvergessenen, wie eine Bombe einschlagenden Albumtitel zu schmieden – null problemo! Er ward recht schnell gefunden und lautete: „The Simpsons Sing the Blues“. Warum kompliziert, wenns auch einfach geht?

Weihnachten rĂĽckte näher, ebenso die UrauffĂĽhrung der ersten Episode der zweiten Staffel von „Die Simpsons“ – der Zeitplan war anspruchsvoll, aber zu meistern. Bis zum 28. September 1990 dauerte die Vertonung der Lieder durch die Originalsprecher der Simpsons- Charaktere an. Kaum ertönte die letzte schrille Silbe ins Aufnahmemikrofon, wanderte das Mastertape des Tonstudios auch schon umgehend in die Kasettenspulwerke und, topaktuell, auch in die Compact Disc-Presswerke.

Und dann, am 4. Dezember 1990, gelangte „The Simpsons Sing the Blues“ pĂĽnktlich wie geplant in den Handel, verkaufte sich wie geschnitten Brot und stĂĽrmte vor allem mit den beiden von insgesamt drei Singleauskopplungen „Do the Bartman“ und „Deep Deep Trouble“ die internationalen Charts (altdeutsch „Hitparade“, sheesh! Die dritte Auskopplung war ĂĽbrigens der sechste Albumtrack „God Bless the Child“, logierte jedoch eher unter ferner liefen). Diese Charterfolge waren unter anderem der bei einem Song besonders zu trage kommenden und bereits angeteaserten externen musikalischen UnterstĂĽtzung geschuldet, zu der wir nun endlich kommen:

Do the Bartman

Der erste Track des Albums, „Do the Bartman“, erreichte zu Beginn des Jahres 1991 in Australien, Irland, Neuseeland, Norwegen und GroĂźbritannien die Nummer 1 der Charts und rangierte ferner in Deutschland, Belgien, Dänemark, Finnland, Spanien, Schweden und den Niederlanden in den Top 10. Schlagartig erlangten die Simpsons auch auĂźerhalb der Vereinigten Staaten signifikante Popularität und verholfen so der Serie zum Durchbruch. „Do the Bartman“ war dermaĂźen erfolgreich, dass 1991 unter der Regie von Brad Bird ein Musikvideo nachgeliefert wurde, welches infolge auf dem Fernsehsender MTV weiteren Ruhm einheimste und in der Kategorie „Best Special Effects“ sogar fĂĽr den MTV Video Music Award 1991 nominiert wurde.

Vielen Hörern und Fans kam der Sound des Songs vertraut vor, der Rhythmus ging leicht ins Blut ĂĽber und lud zum Mitnuscheln ein. Er hatte diesen speziellen Klang, diese ganz besondere Ausstrahlung – ja, er erinnerte frappierend an eine Schöpfung des King of Pop, Michael Jackson. Und in der Tat ward dieser in den Rollen des Co-writers und Co-producers unter der AnfĂĽhrung vom fĂĽr „Do the Bartman“ verantwortlichen PlattenkĂĽnstler Bryan Loren an dessen kreativer Schaffung involviert. Jackson, der sich der Legende nach selbst als Fan der ersten Simpsons-Stunde bezeichnete, kontaktierte die Produzenten der Serie noch vor der ideellen Schöpfung von „The Simpsons Sing the Blues“ und bot an, bei kĂĽnftigem Bedarf einen potenziellen Nummer 1-Hit fĂĽr „Die Simpsons“ zu komponieren. Welch vortrefflich‘ gĂĽnstiger Wink des Schicksals mit dem Zaunpfahl: Der Ausgangspunkt fĂĽr groĂźartigste Erfolge liegt oft in kaum wahrnehmbaren Gelegenheiten. Kurz darauf entstand die Idee zum musikalischen Einstand der Simpsons, und der Rest der Geschichte ist, nun, Geschichte.

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Deep, Deep Trouble

Auch „Deep, Deep Trouble“, der fĂĽnfte Song des Albums „The Simpsons Sing the Blues“, kletterte die Hitlisten hinauf. Von Matt Groening höchstpersönlich in Zusammenarbeit mit DJ Jazzy Jeff kreiert, nistete sich das Lied zeitnah nach Release in den Top 10 von Irland, Neuseeland und GroĂźbritannien ein – und erhielt als zweiter Song nach „Do the Bartman“ ein diesmal von Gregg Vanzo produziertes Musikvideo, welches am 7. März 1991 auf Fox Premiere feierte und nach Dauerpräsenz auf MTV ebenfalls in der Kategorie „Best Special Effects“ fĂĽr den MTV Video Music Award 1991 nominiert wurde.

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Ay Caramba!

Nach den Erfolgen von „The Simpsons Sing the Blues“ und mit Ausstrahlungsbeginn der nunmehr dritten Staffel Ende 1991 war der Schritt zum weiterhin ungebremsten, länderĂĽbergreifenden Erfolg von die Simpsons reine Formalitätssache. Die Serie erlangte einen nie da gewesenen Bekanntheitsgrad, war Bestandteil der medialen Kulturlandschaft der frĂĽhen Neunzigerjahre in Funk und Fernsehen, Comics und Computerspielen – und hatte sich nicht zuletzt dank der akustischen Experimente ein fĂĽr alle mal einen Platz auf dem Olymp des animierten Fernsehentertainments erfochten. Mochten die folgenden Jahrzehnte den Simpsons arg zugesetzt haben – ihr kometenhafter Aufstieg anfang der 90er prägte eine ganze Generation und wird fĂĽr diese auf ewig – oder zumindest bis zur einsetzenden Altersdemenz – unvergessen bleiben.

Titelbild: „Simpsons Fun Calendar 2002 – Parody of Batman“ von „Simpson Crazy„.

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