Freudentaumel München Deutschland – Argentinien: 4:0 – Muc im (Freuden)Rausch
War ja klar: Das erste Tor im phänomenalen Viertelfinalspiel Deutschland gegen Argentinien hatten wir grandios versäumt. Das Bier war schuld! Und die Gruppe wunderlicher Schweden, die uns verfolgte. Und die eigenartige Wegbeschreibung des iPhone 4. Und all die anderen, die uns fehlleiteten. Dabei fing der sonnige, 35°heiße Tag vielversprechend an: Treffpunkt Ostbahnhof. Wichtigste Vorbereitung auf das Spiel: Der Biereinkauf. Doch schon im Folgenden ging es los: Langwierige Diskussionen standen auf der Tagesliste. Public Viewing in einer der reichlichen Kneipen an der Leopoldstraße und in Schwabing oder am Chinesischen Turm im Englischen Garten? Eine verlorene Minderheit entschied sich für Letzteres, die machtlose Mehrheit folgte brav.
Dann: Der Anpfiff. Und wir waren weiterhin per pedes in Richtung Englischer Garten unterwegs. Dort angekommen hörten wir bereits von Weitem Gejubel, Gejauchze und die Vuvuzelas. Der Chinesische Turm musste ganz in der Nähe sein. Dann, auf einmal: Ohrenbetäubender Jubel schwappte uns entgegen und vereinigte sich mit dem umgebenden Frohlocken zu einer stadtüberspannenden Lärmkuppel. In diesem Moment ließen wir alles stehen und fallen, nahmen unsere Beine in die Hände und rannten gen Chinesischer Turm. Deutschland – Argentinien: 1 zu 0! Welche Schmach, wir waren nicht dabei!
Nun, am Turm eingetroffen mussten wir mit blankem Entsetzen feststellen, dass der Biergarten durch und durch überfüllt und dadurch abgeriegelt wurde. Nix mit LED-Wand. Schon schwanten uns erschreckende Szenarien: Zehn Leute stehen abseits der Party, den Blick auf das klitzekleine iPhone-Display gerichtet. Doch dann der erlösende Vorschlag: Wir schreiten zurück Richtung Leopoldstraße! Denn am Geschwister-Scholl-Platz an der Ludwig Maximilian Universität stünde gerüchtehalber auch eine Leinwand. Der Siegesmarsch in Richtung Ziel verwandelte sich in ein postnukleares Szenario: Ein entvölkerter Park, leer gefegte Straßen und weit und breit keine Fahrzuge. Nur ein Schwarm Schweden, die sich beharrlich weigerten, zu verschwirren.
Dann – endlich – die Erlösung: Eine Leinwand. Und ein Stehplatz in der Sonne bei gefühlten 45° Celsius. Doch egal, schmerzlicher als die Sonne war da schon der unverfrorene Bierpreis von 4 Euro pro Flasche. Wobei “unverfroren” wortwörtlich genommen werden darf, das Bier war alles andere als kalt. Dennoch herrschten Gejubel, Getrubel und allgemeine Heiterkeit vor. Und schon war sie da, die Halbzeit. Fast alle Anwesenden nutzen diese gern gesehene Pause dazu, sich am Springbrunnen zu benetzen und anschließend im Schatten zu chillen. Über die zweite Halbzeit muss an dieser Stelle nun relativ wenig berichtet werden, schließlich wird hier ein jeder das Spiel mitverfolgt haben. Zusammengefasst: Der Puls stieg parallel zur Temperatur von Tor zu Tor an, die Freude nahm zu und der Stolz auf die eigene Mannschaft ebenso. Deutschland – Argentinien: 4 zu 0, Fußballträume wurden wahr.
Nanosekunden nach dem Schlusspfiff strömten Zehntausende auf die Leopoldstraße, binnen Minuten kam der gesamte Verkehr völlig zum Erliegen. Die Autos wurden verdrängt, der Fan war nun das vorherrschende Tier auf dem Asphalt. So weit die Augen reichten: Fans, Fahnen, Gesänge, Vuvuzelas, flüssiges Gold, Party, noch mehr Fans, Feiern, Musik und auch noch mehr Bier. Die U-Bahnen arbeiteten an der Leistungsgrenze, sprich sie leisteten ganze Arbeit und kutschierten Fuhre für Fuhre weitere Tausende Fans heran, nach kurzer Zeit galt der Slogan: “Hier geht man nicht selbst, nein, man wird gegangen!” Aufgeheizt durch diesen Trubel galt es, den überhitzen Körper gebührend abzukühlen. Was lag also näher als ein Zwischenstopp im Peaches mit einem – ja, wirklich nur einem – 5-Liter-Kübel Zombie.
In entspannter Atmosphäre bei zur Straße hin geöffneter Wand genossen wir die verdiente Erfrischung und perfektionierten das Car-Diving: Flink in den hupenden Autokorso gesprintet und auf die nächstbeste Motorhaube gelegt, und schon ging die Fahrt weiter. Faszinierend! Eine Stimmung wie zuletzt anno 2006. Darauf folgend begann der Abend erst richtig, es begegneten uns noch mehr Bier, noch mehr feierfreudige Bevölkerung, noch mehr Party, noch mehr Schlaaaand … der Rest des Abends verschwimmt hier leider in undefinierbaren Bild- und Sprachfetzen, garniert mit gravierenden Erinnerungslücken. Daher endet der skurrile Bericht an dieser Stelle, im Anschluss folgte einst gar noch ein Pulk unsortierte Fotos für das allgemeine Datenchaos auf dieser Website. Wurde zwischenzeitlich indes gelöscht.