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Nebel Im Urlaub Vom Singledasein und dem glorarmen Deutschland

Eine Woche Urlaub, drei Tage Party, der Rest versinkt im Nebel. Über Singledasein und die Erkenntnis, dass Deutschland manchmal reicht.
Vom Singledasein und dem glorarmen Deutschland

Ach du grüne Neune! Meine Erinnerungen der letzten Tage verschwimmen im trüben Nebel. Nicht aufgrund des Wetters oder emotionaler Schieflagen, sondern aus dem für Männer einzig plausiblen Nebelgrund: Ich hatte Urlaub. Eine Woche lang. Also Party. Leider nur drei Tage von dieser Woche. Dennoch Schön! Um dieses einmalige Gefühl der Freude realistisch reflektieren zu können, verschwimmt dieser Beitrag daher ebenfalls im grauen, diesigen Sumpf des digitalen Datennirvanas 😉

Wahnsinn! Krony ist Single. Ist auch besser so. Denn – wie meinte eine gute Freundin zu meinem jetzigen Ex? Du bist jung, hübsch, schön, niedlich, temperamentvoll, emotional unerreichbar – alles, was sich ein Junge nur wünschen kann. Nur eben nicht dieser Junge. Yeah Baby! Nun, des Singles zeitraubende Beschäftigung besteht bekanntlich darin, neue Fische an Land zu ziehen. Ergo verkünde ich hiermit vor Stolz protzend und ganz ohne Reue: Die Suche sei eröffnet! Nehmt euch in acht, Jungs, ich werde euch einen warmen Empfang bereiten – haha, Wortwitz, der musste einfach sein. Allerdings gestehe ich offen ein, dass sich mein Appell nicht nur an die männlichen Vertreter unserer Nation richtet, sondern auch an die des anderen Ufers …

Schockschwerenot! Zum Stichwort “Nation” kristallisieren sich aus dem erläuterten Nebel gar ein paar gestochen scharfe Lichtgemälde heraus. Da fixierte ich meine Aufmerksamkeit also aus offensichtlicher Langeweile im Laufe der letzten Tage auf eine interessante Kurz-Doku auf BBC über Deutschland. Auf Englisch. Im Detail wurde die Frage behandelt, ob aus Deutschland stammende Emigranten in London Videoschnippsel deutscher Straßenszenen der richtigen deutschen Stadt zuordnen könnten. Einem jungen Pärchen wurde dafür ein scheinbar wütender Mob in einer seelenlosen Plattenbausiedlung präsentiert. Trockener Kommentar der Frau: “Ein Pulk von randalierenden Türken? Das muss Berlin sein!” Jap – traurig, aber wahr.

Gute Güte, gute Güte! England erinnert mich da an etwas. Außer des heutigen verdienten 4:1,5-Sieges gibt es da doch noch diesen einen großen britischen Ölkonzern. Der mit diesem gar nicht adretten Loch im Golf von Mexiko. Moment, ich habe es gleich – ah, hier. BP. Ein weiterer Teil des Nebels weicht zur Seite und hinterlässt bedrückende Gewissheit. Gewissheit darüber, dass sich das Bohrloch laut Expertenmeinungen kaum verschließen ließe und es daher die geschätzten nächsten vier Jahre munter weitersprudeln wird. Zudem verkündeten besagte Kittelträger, dass die Menge des bisher ausgetretenen Öls gerade einmal fünf Prozent der Gesamtmenge, die durch das Bohrrohr in der Ölkammer erreichbar wäre, darstellt. Dazu gesellen sich noch diverse Schwierigkeiten durch die nun einsetzende Hurrikansaison. Wohl bekommts; ein Versagen des Golfstroms rückt damit in weite Ferne, sorgen wir doch dafür, dass er in Zukunft wieder wie geschmiert läuft!

O Graus! Geschmiert. Der Nebel spuckt weiter wirre Bilder aus. Da, die Wahl des Bundespräsidenten! Und die anschließende Fete im Park vom Schloss Bellevue. Bekannterweise findet sich dort ja anlässlich der Feier zur Wahl des höchsten deutschen Staatsoberhauptes am 02. Juli die Crème de la Crème aus Politik, Wirtschaft und Prominenz ein. Ein Ereignis, das auf internationale Aufmerksamkeit stößt. Traurig, dass gerade eben diese Veranstaltung durch die größten Lobbyisten deutscher Konzerne geschmiert gesponsort wird. Um den Gedankenkreislauf zu beenden: Ausgerechnet BP war dieses Jahr dazu auserkoren, besagte Sause zu finanzieren. Aus unlängst bekanntem Anlass stieß diese Wahl auf gemischte Gemüter. BP ruderte zurück, um jene Gemüter-Gefühle nicht weiter zu erhitzen. Und der SPD-Chef Sigmar Gabriel sprach – zurecht, wie ich finde – “Ein Land wie Deutschland sollte sich das Fest seines Staatsoberhauptes nicht von Sponsoren aus der Wirtschaft finanzieren lassen.”

Ei der Daus! Der Nebel lichtet sich weiter. Und gibt den Blick auf noch skurrilere Szenarien frei. Wie diesem: Nordkorea könnte die Festivität vom Schloss Bellevue finanzieren. Schließlich wird dieser Staat in ferner naher Zukunft über die unermessliche Summe von 65 Billionen US-Dollar verfügen. Das ist exakt die phrenetische Summe, die Nordkorea jüngst von den USA forderte. Als Reparationsleistungen für den nahezu historischen Koreakrieg und die dadurch entstandenen Schäden. Ohne Scherz! Nun, grotesk ist gar kein Ausdruck für diese neuerliche Dreistigkeit des dortigen Regimes.

Öl, Türken, Schlösser, Nordkorea, Freunde, BP, noch mehr Öl … ach, eigentlich bin ich ganz glücklich ob des vorherrschenden Nebels in meinem Kopf. Bewahrt er mich doch vor dem abstrusen Puppentheater der modernen Weltpolitik. Und vor der schier unendlichen Gier weltweiter Konzerne. Vor größenwahnsinnigen Diktatoren und ignoranten Ex-Freunden. Ich behalte mein goldiges Grinsen, lache der gesamten Welt hoch erhobenen Hauptes ins Gesicht – und sorge für erneuten Nebel. In diesem Sinne: Auf einen guten Topf und Prost!