Todesengel Auschwitz Stoff für einen Horrorfilm – Der Todesengel von Auschwitz – Dr. Mengele


Die Geschichte des Dr. Josef Mengele ist faszinierend, packend, spannend und mysteriös. Grob gesagt war er ein KZ-Arzt in Auschwitz, der verschiedenste Versuche am Menschen durchführte – natürlich alles für die “Wissenschaft“. Er verehrte den Führer, traf ihn jedoch nie persönlich. Nach Ende des Krieges 1945 fühlte er sich nicht mehr sicher und flüchtet aus Deutschland. Erst 1960 wurde er vom israelischen Geheimdienst aufgespürt, aber nicht gefasst. 1979 starb er dann letztendlich Südamerika. Soviel zu den Rahmendaten des Dr. Mengele – jetzt zum Detail: Eigentlich klingt seine Lebensgeschichte wie die eines Horrorfilms, indem der Psychopath am Ende siegt. Doch dem ist nicht so! Josef Mengele gab es wirklich! Seine Taten sind umstritten, aber für die Eugenik und die Rassenlehre war er im wahrsten Sinne des Wortes bereit, über Leichen zu gehen.
Die jungen Jahre

Nachdem er sein medizinisches Staatsexamen und sein Medizinpraktikum absolviert hatte, war er am von Professor Otmar Freiherr von Verschuer geleiteten Institut für Erbbiologie und Rassenhygiene an der Universität Frankfurt tätig, das in die rassenhygienische Praxis des “Dritten Reiches” integriert war und zum Beispiel Gutachten für Zwangssterilisationen ausstellte. 1935 promovierte er bei dem Anthropologen Theodor Mollison zum Dr. phil. (Doktor der Philosophie); der Titel dieser 1937 erschienenen Dissertationsschrift lautete “Rassenmorphologische Untersuchung des vorderen Unterkieferabschnitts bei vier rassischen Gruppen“. Seine 1938 veröffentlichte medizinische Doktorarbeit trug die Überschrift “Sippenuntersuchungen bei Lippen-Kiefer-Gaumenspalte“.
Beide Doktorgrade wurden Mengele in den 1960er Jahren aberkannt. Mit seinen Doktorarbeiten und einer weiteren Publikation, “Zur Vererbung der Ohrfisteln“, zeichnete sich ab, in welche Richtung er seine Forschungsarbeiten verstanden sehen wollte: Mengele war überzeugter Anhänger der Rassenlehre und der Rassenhygiene der Machthaber während der Zeit des Nationalsozialismus.
Die Zeit in der NSDAP und SS
1931 trat Mengele dem Jung-Stahlhelm bei, der 1934 geschlossen in die SA überführt wurde. Mengele verließ die SA wenig später unter Hinweis auf seinen Gesundheitszustand. 1937 trat er der NSDAP, 1938 der SS bei. 1939 heiratete er Irene Schönbein. 1940 meldete er sich, nachdem er am 15. Juni 1940 seine Einberufung zur Wehrmacht erhalten hatte, freiwillig zur Waffen-SS und wurde dort noch im selben Jahr zum Hauptsturmführer ernannt. Es folgte eine Tätigkeit an der sogenannten Einwandererzentralstelle in Posen. Mengele wurde 1941 Sanitätsoffizier der SS-Panzer-Division “Wiking” (SS Pionier Battalion V), mit der er am Krieg gegen die Sowjetunion teilnahm.
Auschwitz

Mengele nahm, wie fast alle anderen KZ-Ärzte, Selektionen unter den Neuankömmlingen an der “Rampe” wie auch im Lager für die Gaskammern vor, wobei er die Ermordung von ca. 40.000 Menschen anordnete (!). Die Durchführung von anspruchsvollen Operationen überließ er vorzugsweise Assistenzärzten. Er selbst konzentrierte sich auf seine Menschenexperimente sowie die im Anschluss daran vorgenommenen Leichensektionen. Er tötete Personen mit Phenolinjektionen, wenn er ein Ergebnis durch Obduktion feststellen wollte. Ziel seines Handelns und Mordens war eine Habilitation, zu der es aber nie kam.
Dr. phil. Dr. med. Josef Mengele war ursprünglich kein “Monster“, dessen Forschung von Anbeginn abzulehnen gewesen wäre. Jedoch stehen am Ende seines Wirkens als Arzt und Wissenschaftler 2.000 Menschen, die er im Verlaufe seiner sogenannten medizinischen Zwillingsforschung bestialisch selbst ermordete oder durch Gas töten ließ. Außerdem ist er als Josef Mengele Selektionsarzt für die Tötung weiterer 2 Millionen Menschen zumindest verantwortlich, da er deren Ermordung zwar nicht direkt veranlasste, aber dennoch tolerierte.

SpiegelTV: Mengele Jagd nach dem Todesengel doku
Zeiten der Flucht

Im April 1949, am Ostersonntag, wurde Mengele mithilfe eines Gastwirtes von Vinaders über den Brenner nach Südtirol geschleust, wo er sich in einem Gasthof in Sterzing einquartierte. Wenig später reiste Mengele auf der sogenannten Rattenlinie unter dem Namen “Helmuth Gregor” nach Genua, wo er sich am 20. Juni 1949 auf dem Dampfer North King nach Buenos Aires einschiffte. Dort lebte er bis Ende der 1950er Jahre mit Hilfe anderer geflohener Kriegsverbrecher und gefälschter Ausreisepapiere des Roten Kreuzes. In dieser Zeit praktizierte er als Arzt und nahm auch Schwangerschaftsabbrüche, die in Argentinien illegal waren, vor. Unter falscher Identität reiste er noch mindestens einmal nach Deutschland ein. Danach beantragte er beim deutschen Konsulat von Buenos Aires eine Identitätsfeststellung und einen neuen deutschen Pass auf seinen tatsächlichen Namen. Beides erhielt er ohne Probleme. Nachdem dann die Suche nach ihm begonnen hatte, floh er zunächst nach Paraguay.
Nach der Entführung Adolf Eichmanns versteckte er sich in São Paulo, wo er zuletzt in einfachen Verhältnissen lebte. Doch die Fahndung konzentrierte sich auf Paraguay, wo er jahrelang unter seinem richtigen Namen gelebt hatte. Nach Uki Goñi sorgten die NS-Fluchthelfer Willem Sassen und Hans-Ulrich Rudel mit dessen Hilfseinrichtung “Kameradenwerk” für NS-Kriegsverbrecher in Südamerika für den Schutz der Identität von Mengele und seiner Sicherheit vor der Entdeckung und Verurteilung. Der ehemalige Mitarbeiter des Mossad Rafi Eitan berichtete im September 2008, dass seine Gruppe ihn 1960 aufgespürt habe. Um den Zugriff auf Adolf Eichmann nicht zu gefährden, sei Mengele nicht weiter verfolgt worden.
Toter Todesengel
Vermutlich erlitt Mengele am 7. Februar 1979 beim Schwimmen im Meer einen Schlaganfall und starb noch am selben Tag. Er wurde unter dem falschem Namen Wolfgang Gerhard in Embu, südlich von São Paulo, beerdigt. Dies war aber noch einige Zeit danach in Deutschland unbekannt. So meldeten Presseagenturen noch im Dezember 1980 unter Berufung auf Verwandte Mengeles, er wolle sich nun der deutschen Justiz stellen.
Bis 1985 erhöhte sich die von der hessischen Landesregierung auf seinen Kopf ausgesetzte Belohnung auf eine Million Mark, andere Organisationen setzten weitere sechs Millionen Mark aus.
1985 wurde sein Grab von deutschen, amerikanischen und israelischen Ermittlern entdeckt. Die Leiche Mengeles wurde am 6. Juni 1985 exhumiert. Binnen weniger Wochen, am 21. Juni 1985, konnte von 18 internationalen Gerichtsmedizinern die Identität der Leiche nahezu zweifelsfrei bestätigt werden. Spätestens seit einem DNS-Test im Jahr 1992 gilt der Tod Josef Mengeles als zweifelsfrei erwiesen.
Nachtrag
2004 wurden in Brasilien Briefe und Tagebuchnotizen Mengeles veröffentlicht. Der Zufallsfund wirft Licht auf einige der letzten Gedanken und Lebensumstände des SS-Arztes. In den Schriftstücken wird deutlich, dass Mengele keine seiner Taten bereute und bis zu seinem Tod ein überzeugter Nationalsozialist blieb, der seine Schuld leugnete. Er verteidigte die “Andersartigkeit der Rassen“. Auch spielte Mengele demnach im Jahre 1972 mit dem Gedanken, nach Deutschland zurückzukehren. (“Aber wie ist heute meine Heimat? Und ist sie noch meine Heimat? Wird sie mich nicht als Feind empfangen?“). Die vergilbten 85 Dokumente befanden sich seit ihrer Sicherstellung in Wohnungen von Freunden und Bekannten Mengeles 1985 in den Archivschränken der brasilianischen Bundespolizei in São Paulo.
Jüngst kamen Gerüchte an das Tageslicht, nach denen Josef Mengele auch in Brasilien weiter mit Schwangeren und Zwilingen experimentierte. Mehr dazu findest du unter anderem in einem Bericht der Süddeutschen Zeitung.