Die Geschichte des Dr. Josef Mengele ist faszinierend, packend, spannend und mysteri├Âs. Grob gesagt war er ein KZ-Arzt in Auschwitz, der verschiedenste Versuche am Menschen durchf├╝hrte – nat├╝rlich alles f├╝r die „Wissenschaft„. Er verehrte den F├╝hrer, traf ihn jedoch nie pers├Ânlich. Nach Ende des Krieges 1945 f├╝hlte er sich nicht mehr sicher und fl├╝chtet aus Deutschland. Erst 1960 wurde er vom israelischen Geheimdienst aufgesp├╝rt, aber nicht gefasst. 1979 starb er dann letztendlich S├╝damerika. Soviel zu den Rahmendaten des Dr. Mengele – jetzt zum Detail: Eigentlich klingt seine Lebensgeschichte wie die eines Horrorfilms, indem der Psychopath am Ende siegt. Doch dem ist nicht so! Josef Mengele gab es wirklich! Seine Taten sind umstritten, aber f├╝r die Eugenik und die Rassenlehre war er im wahrsten Sinne des Wortes bereit, ├╝ber Leichen zu gehen.

Die jungen Jahre

Josef Mengele 1943Geboren wurde er am 16. M├Ąrz 1911 in G├╝nzburg als ├Ąltester von drei S├Âhnen. Er studierte Anthropologie und Medizin mit Schwerpunkt Genetik in M├╝nchen, Bonn und Wien. Sein Schulfreund J. Diensbach ├Ąu├čerte sich nach 1945 ├╝ber Mengele mit den Worten: „Er wollte nicht einfach nur erfolgreich sein, sondern sich auch von der Masse abheben. Es war seine Leidenschaft, ber├╝hmt zu sein. Er erz├Ąhlte mir einmal, dass ich eines Tages seinen Namen im Lexikon lesen w├╝rde.„.

Nachdem er sein medizinisches Staatsexamen und sein Medizinpraktikum absolviert hatte, war er am von Professor Otmar Freiherr von Verschuer geleiteten Institut f├╝r Erbbiologie und Rassenhygiene an der Universit├Ąt Frankfurt t├Ątig, das in die rassenhygienische Praxis des „Dritten Reiches“ integriert war und zum Beispiel Gutachten f├╝r Zwangssterilisationen ausstellte. 1935 promovierte er bei dem Anthropologen Theodor Mollison zum Dr. phil. (Doktor der Philosophie); der Titel dieser 1937 erschienenen Dissertationsschrift lautete „Rassenmorphologische Untersuchung des vorderen Unterkieferabschnitts bei vier rassischen Gruppen„. Seine 1938 ver├Âffentlichte medizinische Doktorarbeit trug die ├ťberschrift „Sippenuntersuchungen bei Lippen-Kiefer-Gaumenspalte„.

Beide Doktorgrade wurden Mengele in den 1960er Jahren aberkannt. Mit seinen Doktorarbeiten und einer weiteren Publikation, „Zur Vererbung der Ohrfisteln„, zeichnete sich ab, in welche Richtung er seine Forschungsarbeiten verstanden sehen wollte: Mengele war ├╝berzeugter Anh├Ąnger der Rassenlehre und der Rassenhygiene der Machthaber w├Ąhrend der Zeit des Nationalsozialismus.

Die Zeit in der NSDAP und SS

1931 trat Mengele dem Jung-Stahlhelm bei, der 1934 geschlossen in die SA ├╝berf├╝hrt wurde. Mengele verlie├č die SA wenig sp├Ąter unter Hinweis auf seinen Gesundheitszustand. 1937 trat er der NSDAP, 1938 der SS bei. 1939 heiratete er Irene Sch├Ânbein. 1940 meldete er sich, nachdem er am 15. Juni 1940 seine Einberufung zur Wehrmacht erhalten hatte, freiwillig zur Waffen-SS und wurde dort noch im selben Jahr zum Hauptsturmf├╝hrer ernannt. Es folgte eine T├Ątigkeit an der sogenannten Einwandererzentralstelle in Posen. Mengele wurde 1941 Sanit├Ątsoffizier der SS-Panzer-Division „Wiking“ (SS Pionier Battalion V), mit der er am Krieg gegen die Sowjetunion teilnahm.

Auschwitz

v.l.n.r.: SS-Offiziere Richard Baer, Josef Mengele, Josef Kramer und Rudolf H├Â├č 1944 in Solah├╝tte bei AuschwitzNach einer Verwundung im Juni 1942 an der Ostfront kam Mengele im Januar 1943 nach Berlin an das Kaiser-Wilhelm-Institut f├╝r Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik. Als einer der ├ärzte des KZ Auschwitz-Birkenau erkrankte, wurde dieser am 30. Mai 1943 durch Josef Mengele ersetzt. Er war Arbeitskollege von Hans M├╝nch. In Auschwitz-Birkenau experimentierte Mengele vor allem mit Zwillingen und Kleinw├╝chsigen, die f├╝r ihn den exemplarischen Ausdruck des „Abnormen“ darstellten. Daneben waren f├╝r ihn auch Zigeunerkinder von gro├čem Interesse; er wollte durch Vergleiche zwischen ihnen und den anderen inhaftierten Kindern die Behauptungen der Rassenlehre best├Ątigt sehen.

Mengele nahm, wie fast alle anderen KZ-├ärzte, Selektionen unter den Neuank├Âmmlingen an der „Rampe“ wie auch im Lager f├╝r die Gaskammern vor, wobei er die Ermordung von ca. 40.000 Menschen anordnete (!). Die Durchf├╝hrung von anspruchsvollen Operationen ├╝berlie├č er vorzugsweise Assistenz├Ąrzten. Er selbst konzentrierte sich auf seine Menschenexperimente sowie die im Anschluss daran vorgenommenen Leichensektionen. Er t├Âtete Personen mit Phenolinjektionen, wenn er ein Ergebnis durch Obduktion feststellen wollte. Ziel seines Handelns und Mordens war eine Habilitation, zu der es aber nie kam.

Dr. phil. Dr. med. Josef Mengele war urspr├╝nglich kein „Monster„, dessen Forschung von Anbeginn abzulehnen gewesen w├Ąre. Jedoch stehen am Ende seines Wirkens als Arzt und Wissenschaftler 2.000 Menschen, die er im Verlaufe seiner sogenannten medizinischen Zwillingsforschung bestialisch selbst ermordete oder durch Gas t├Âten lie├č. Au├čerdem ist er als Josef Mengele Selektionsarzt f├╝r die T├Âtung weiterer 2 Millionen Menschen zumindest verantwortlich, da er deren Ermordung zwar nicht direkt veranlasste, aber dennoch tolerierte.

AuschwitzMengeles eigentlicher Arbeitsschwerpunkt bestand in der Zwillingsforschung, in die er sich mit immer fanatisch werdender Grausamkeit steigerte. Der wahrscheinliche Zweck seiner „Studien“ war eine vollst├Ąndige und verl├Ąssliche Bestimmung der Vererbung beim Menschen. Dazu bot das KZ die denkbar besten Voraussetzungen. Unter Fortfall jeglicher Moral und Ethik konnte er alle hier eingelieferten Zwillingspaare unter den gleichen Lebensbedingungen beobachten und seine Experimente ausf├╝hren. Diese Menschenversuche bestanden unter anderem darin, dass er Kindern bei vollem Bewusstsein, Injektionen mit Typhusbakterien in die Venen oder Farbl├Âsung in die Pupillen spritzte, ihre Sch├Ądel ├Âffnete oder kleine Kinder mit ihren K├Ârpern aneinander n├Ąhte. Aber Mengele konnte auch „g├╝tig“ sein und die Opfer bei bester Gesundheit in den Gastod schicken, um erst danach aus ihren K├Ârpern Organe, Pr├Ąparate oder Blutproben zu entnehmen. Andere „Forschungsgebiete“ waren die Untersuchung Zwergw├╝chsiger als exemplarischer Ausdruck des „Abnormen“ und ein durch v├Âllig k├Ârperliche und seelische Ersch├Âpfung entstehendes brandiges Absterben der Wangen, das er aus einer Anlage der Rasse zu begr├╝nden suchte.

SpiegelTV: Mengele Jagd nach dem Todesengel doku

Video putt? Dann mich bitte hier kurz informieren ÔÇô danke!

Zeiten der Flucht

Josef MengeleKurz vor Ankunft der Roten Armee floh Josef Mengele am 17. Januar 1945 aus Auschwitz in das KZ Gro├č-Rosen und konnte dort seine m├Ârderischen Machenschaften noch f├╝r kurze Zeit fortsetzen. Dann floh er erneut und fand am 6. Februar 1945 bei einer Wehrmachtseinheit Unterschlupf. Diese Einheit wurde von den Amerikanern in Schauenstein interniert. Da Mengele nicht ├╝ber eine Blutgruppent├Ątowierung verf├╝gte wie andere SS-Mitglieder, blieb er jedoch unerkannt und wurde nach drei Monaten unter seinem richtigen Namen entlassen. Zu diesem Zeitpunkt wussten die Amerikaner noch nichts von der Identit├Ąt des „Todesengels von Auschwitz„. Nachdem er sich in seine Heimatstadt G├╝nzburg durchgeschlagen hatte, verbarg er sich ab Herbst 1945 unter dem Namen „Fritz Hollmann“ auf einem abgelegenen Bauernhof im oberbayerischen Mangolding bei Rosenheim.

Im April 1949, am Ostersonntag, wurde Mengele mithilfe eines Gastwirtes von Vinaders ├╝ber den Brenner nach S├╝dtirol geschleust, wo er sich in einem Gasthof in Sterzing einquartierte. Wenig sp├Ąter reiste Mengele auf der sogenannten Rattenlinie unter dem Namen „Helmuth Gregor“ nach Genua, wo er sich am 20. Juni 1949 auf dem Dampfer North King nach Buenos Aires einschiffte. Dort lebte er bis Ende der 1950er Jahre mit Hilfe anderer geflohener Kriegsverbrecher und gef├Ąlschter Ausreisepapiere des Roten Kreuzes. In dieser Zeit praktizierte er als Arzt und nahm auch Schwangerschaftsabbr├╝che, die in Argentinien illegal waren, vor. Unter falscher Identit├Ąt reiste er noch mindestens einmal nach Deutschland ein. Danach beantragte er beim deutschen Konsulat von Buenos Aires eine Identit├Ątsfeststellung und einen neuen deutschen Pass auf seinen tats├Ąchlichen Namen. Beides erhielt er ohne Probleme. Nachdem dann die Suche nach ihm begonnen hatte, floh er zun├Ąchst nach Paraguay.

Nach der Entf├╝hrung Adolf Eichmanns versteckte er sich in S├úo Paulo, wo er zuletzt in einfachen Verh├Ąltnissen lebte. Doch die Fahndung konzentrierte sich auf Paraguay, wo er jahrelang unter seinem richtigen Namen gelebt hatte. Nach Uki Go├▒i sorgten die NS-Fluchthelfer Willem Sassen und Hans-Ulrich Rudel mit dessen Hilfseinrichtung „Kameradenwerk“ f├╝r NS-Kriegsverbrecher in S├╝damerika f├╝r den Schutz der Identit├Ąt von Mengele und seiner Sicherheit vor der Entdeckung und Verurteilung. Der ehemalige Mitarbeiter des Mossad Rafi Eitan berichtete im September 2008, dass seine Gruppe ihn 1960 aufgesp├╝rt habe. Um den Zugriff auf Adolf Eichmann nicht zu gef├Ąhrden, sei Mengele nicht weiter verfolgt worden.

Toter Todesengel

Vermutlich erlitt Mengele am 7. Februar 1979 beim Schwimmen im Meer einen Schlaganfall und starb noch am selben Tag. Er wurde unter dem falschem Namen Wolfgang Gerhard in Embu, südlich von São Paulo, beerdigt. Dies war aber noch einige Zeit danach in Deutschland unbekannt. So meldeten Presseagenturen noch im Dezember 1980 unter Berufung auf Verwandte Mengeles, er wolle sich nun der deutschen Justiz stellen.

Bis 1985 erh├Âhte sich die von der hessischen Landesregierung auf seinen Kopf ausgesetzte Belohnung auf eine Million Mark, andere Organisationen setzten weitere sechs Millionen Mark aus.

1985 wurde sein Grab von deutschen, amerikanischen und israelischen Ermittlern entdeckt. Die Leiche Mengeles wurde am 6. Juni 1985 exhumiert. Binnen weniger Wochen, am 21. Juni 1985, konnte von 18 internationalen Gerichtsmedizinern die Identit├Ąt der Leiche nahezu zweifelsfrei best├Ątigt werden. Sp├Ątestens seit einem DNS-Test im Jahr 1992 gilt der Tod Josef Mengeles als zweifelsfrei erwiesen.

Nachtrag

2004 wurden in Brasilien Briefe und Tagebuchnotizen Mengeles ver├Âffentlicht. Der Zufallsfund wirft Licht auf einige der letzten Gedanken und Lebensumst├Ąnde des SS-Arztes. In den Schriftst├╝cken wird deutlich, dass Mengele keine seiner Taten bereute und bis zu seinem Tod ein ├╝berzeugter Nationalsozialist blieb, der seine Schuld leugnete. Er verteidigte die „Andersartigkeit der Rassen„. Auch spielte Mengele demnach im Jahre 1972 mit dem Gedanken, nach Deutschland zur├╝ckzukehren. („Aber wie ist heute meine Heimat? Und ist sie noch meine Heimat? Wird sie mich nicht als Feind empfangen?„). Die vergilbten 85 Dokumente befanden sich seit ihrer Sicherstellung in Wohnungen von Freunden und Bekannten Mengeles 1985 in den Archivschr├Ąnken der brasilianischen Bundespolizei in S├úo Paulo.

J├╝ngst kamen Ger├╝chte an das Tageslicht, nach denen Josef Mengele auch in Brasilien weiter mit Schwangeren und Zwilingen experimentierte. Mehr dazu findest du unter anderem in einem Bericht der S├╝ddeutschen Zeitung.

2 Kommentare

  1. ­čśé Lukas Sprach

    Der ist das gr├Â├čte Monster der NS-Zeit

    Kommentieren beendet
  2. ­čÖâ Leo Laus Verbalisierte

    Was bei dem Artikel fehlt, sind die wissenschaftlichen Aspekte. Also was er herausgefunden hat, wie er vorgegangen ist, wieso genau er Zwillinge f├╝r seine Forschung gebraucht hat…
    Sonst ist der Artikel gut geschrieben. Es ist wichtig, dass man dar├╝ber Bescheid wei├č, damit so etwas nicht wieder passiert.

    Kommentieren beendet

Kommentieren beendet