Ryugy┼Ćng Hot’el – Das vergessene Mega-Hotel

Ryugy┼Ćng Hot’el – Das vergessene Mega-Hotel

Pj├Ângjang. Wir schreiben das Jahr 1986, die Weltjugendspiele stehen kurz vor der T├╝r. Kim Yong-il, stalinistischer Alleinherrscher und erbarmungsloser Diktator Nordkoreas verordnet pers├Ânlich den Bau des h├Âchsten Hotels der Welt im Herzen Pj├Ângjangs – dem Ryugy┼Ćng Hot’el.

Anno 1986 – Prestige liegt in der Luft

330 Meter hoch soll es sein, der siebth├Âchste Wolkenkratzer der Welt. 360.000m┬▓ Gesamtfl├Ąche soll es haben. 750 Millionen Dollar werden bereitgestellt. Postmoderner Baustil – gemischt mit westlichem Luxus – soll vor allem reiche ausl├Ąndische Touristen anlocken. 3000 Zimmer auf 105 Etagen, internationale Sternerestaurants, Nachtclubs, mehrere Casinos, ausgiebige Shoppingm├Âglichkeiten und japanische Lounges sind nur ein Teil des ├╝berweltlichen Standards, der geboten werden soll. Die Welt soll aufger├╝ttelt werden und sehen, dass einzig der Sozialistischer Totalitarismus die erfolgreichste Staatsform darstellt. Der Kniefall der westlichen Kultur, Prestige und Anerkennung sind die hochgestellten Ziele.

Weltjugendspiele

Pj├Ângjang 1989: Die Weltjugendspiele finden statt, doch die paar verirrten Touristen m├╝ssen in normalen Hotels und Zeltpl├Ątzen unterkommen. Das Hotel befindet sich weiter im Bau.

Die Weltjugendspiele kamen und gingen, doch das Hotel wurde nicht fertig. Fehlplanungen, Pfusch am Bau, Probleme mit dem Untergrund und zuletzt Geldknappheit forderten ihren Preis: 1992 wurde der Weiterbau mitten im Prozess eingestellt.

Traurige Gegenwart

Pj├Ângjang heute. Aus dem heruntergekommenen Zentrum der armen, fast autofreien und von Hungersn├Âten und Stromausf├Ąllen geplagten Blockbauten-Stadt ragt ein ├╝ber 300 Meter hohes, graues Betonskelett, gekr├Ânt von einem vor sich hin rostenden Kran. Risse sind sichtbar, Gr├Ąser und Moose wachsen in dem gigantischen Bau.

Das im Luxus schwelgende Regime verleugnet die Existenz des Hotels, auf den offiziellen Stadtpl├Ąnen und Karten existiert das Ryugy┼Ćng Hot’el schlicht und einfach nicht. Eine sozialistische Volksrepublik ist nun einmal Makellos, sie macht niemals Fehler.

Medienverbot

Touristen und – falls tats├Ąchlich vorhanden – Gesch├Ąftsreisenden ist die Besichtigung und das Fotografieren oder gar Filmen der Ruine untersagt – so wie viele andere Dinge auch. Nicht umsonst bekommt jeder Reisende eine pers├Ânliche „Schutzperson„, welche sich nat├╝rlich nur um das Wohlergehen des Reisenden sorgt. Sie achtet darauf, dass das b├Âse Volk niemanden etwas zu Leide tut – und ├╝berwacht jeden Schritt des Reisenden. Und obwohl es in Nordkorea bisher kein Handynetz und auch kein Internet gibt (westliche Hetzer k├Ânnten falsche Gedanken und Hoffnungen in die K├Âpfe der Einwohner s├Ąhen), sind dennoch Bilder nach drau├čen gelangt:

Rettung in letzter Sekunde?

Dann gibt es da noch die ber├╝hmt-ber├╝chtigte Ger├╝chtek├╝che: Angeblich soll die ├Ągyptische Firma Orascon Group, deren Tochter in Zukunft ein erstes kleines Mobilfunknetzt aufbauen soll, mit dem Nordkoreanischen Regime einen Weiterbau oder zumindest eine Grundsanierung vereinbart haben. N├Ąhere Informationen stehen aber noch offen.

Weltjugendspiele Anno 2050 + X

Die Weltjugendspiele werden auch weiterhin stattfinden – und in ferner Zukunft vielleicht auch wieder in Pj├Ângjang. Wir d├╝rfen gespannt sein, ob dann vielleicht die ersten westlichen Touristen ├╝bertriebenen Luxus in einem der ├Ąrmsten und totalit├Ąrsten Staaten der Welt genie├čen k├Ânnen.

Wikipedia – Ryugy┼Ćng Hot’el

Google Maps – Ryugy┼Ćng Hot’el

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