Alle Wetter! Da kruschelte vor gar nicht allzu langer Zeit erst Herr Kaliban in der nostalgische Gef├╝hle hervorrufenden Kiste der vergangenen Absurdit├Ąten – nur um kurz darauf von hYpercrites* in einer ebenso einlullenden Welle schwallender Vorzeitgef├╝hle heimgesucht zu werden. ├ähnlich vieler anderer Blogs davor. Blanker Irrsinn, dem ich mich im Folgenden freudestrahlend anzuschlie├čen vermag.

Sicher, nun k├Ânnte ich – der braven Meute gleichziehend – ebenso ausf├╝hrlich ob alter, bar jeglichen Internets gewesener Zeiten schwelgen. Doch ward dem gerade im Web bereits zu oft nachgetrauert. Ebenso den viel gepriesenen Schallplatten, monstr├Âser Frisuren, starker W├Ąhrungen oder schrecklichen Moden. Mitnichten, ich verweise auf wahrlich profane Dinge vergangener Zeiten. Objekte, welche im Alltag der gegenw├Ąrtigen Jugend kaum bis gar keine Rolle mehr spielen. Ladies and gentlemen, let’s get ready to rumble:

Telefonkarten und Telefonh├Ąuschen

Kaum zu glauben: Einst missten die Bewohner dieses Planeten die M├Âglichkeit, jederzeit und von jedem Ort zu schwadronieren. Stattdessen mussten sie harte W├Ąhrung oder Magnetstreifenkarten in Ausweisformat aufnehmen und damit in petto die n├Ąchste ├Âffentliche Telefonzelle aufsuchen. Das waren so gelbe, weitverbreitete Einpersonenh├Ąuschen mit schwummriger Beleuchtung, massivem Telefon und papiernem, alphabetisch sortiertem Telefonnummernverzeichnis. Besagte Telefonanlage bedurfte zwecks des Freischaltens eines Telefonats der Aufnahme einiger klimpernder M├╝nzen oder des Einschiebens einer mit Guthaben aufgeladenen Telefonkarte. Letztere konnte im damaligen Einzelhandel erworben werden und ward auch nur f├╝r diese eine T├Ątigkeit zu gebrauchen.

Schnurtelefone und Telefonb├╝cher

Um beim Thema zu bleiben: Fr├╝her tippten Menschen, wenn sie jemanden akustisch kontaktieren wollten, weder auf ber├╝hrungsempfindliche Fl├Ąche flacher elektronischer Ger├Ąte, noch digital mittels Mauszeiger auf mit gr├╝nem Telefonsymbol hervorgehobene Kontakte. Anstelle dessen schlugen sie in obig bereits erw├Ąhnten Telefonnummernverzeichnissen nach, orientierten sich anhand Postleitzahl und Nachnamen der Zielperson durch die klein gedruckten, schweren Kataloge und fanden schlussendlich mit einer Prise Gl├╝ck die gesuchte Nummer. Ward die gesuchte Person hingegen nicht in jenem Telefonbuch verzeichnet, musste ein weiteres herangezogen oder die Auskunft kontaktiert werden. Digitale Telefonverzeichnisse waren g├Ąnzlich Vorstellungen gro├čformatiker Hollywood-Blockbuster.

Doch die Suche lohnerte sich: Richtig verwendet konnte mit der gefundenen Zahlenkombination das Gegen├╝ber telefonisch erreicht werden. Dazu nahmen die B├╝rger vergangener Zeiten einen Telefonh├Ârer zur Hand, welcher mit einem Kabel (!) an eine mit Ziffernbl├Âcken (!!) versehene Telefonstation verbunden war. Das Tippen der Nummer beanspruchte eine gewisse aufgebrachte Fingerkraft und der mobile Radius zum Telefonieren ward auf wenige Meter um diese Telefonstation beschr├Ąnkt. Richtig gelesen, Schnurlostelefone oder gar Handys waren unbekannte Ger├Ątschaften.

Kassetten

Stell dir vor, du w├╝nschest, den Interpreten deines Lieblingssongs zu h├Âren. N├Ąhmest dazu ein aus hartem Plastik bestehendes, rechteckiges Unding in deine Hand, ├Âffnetest am Radio deiner Wahl eine Klappe, stecktest das Objekt hinein und dr├╝cktest nach dem Schlie├čen der Luke eine laut einrastende Taste. Zahnr├Ąder beg├Ąnnen zu malmen, Federn zu quietschen. Ein “zum n├Ąchsten Track springen”-Knopp existierte nicht, daher m├╝sstest du in wiederholender Weise l├Ąngere Zeit auf eine als “Vorspulen” gekennzeichnet Taste klicken. Um damit auf gut Gl├╝ck deinen auf 90-min├╝tigem Magnetband gespeicherten Song zu finden. Wohl wahr, Kassetten waren schon eine sonderbare, geradezu altsteinzeitlich anmutende Erfindung. CDs, MP3s und Streams waren ein futuristisches Produkt einzelner Nerds und exklusiver Universit├Ąten.

Stra├čenkarten

Es begab sich zu einer Zeit, als ein uns namenloser Mann – nennen wir ihn Rolf Hans – plante, mit seinem Automobil von A nach B zu fahren. G├Ąnzlich unbekannt war dem Kerl jedoch die zu fahrende Strecke zwischen beiden Punkten. So faltete er also vor Anbeginn seiner Fahrt eine Stra├čenkarte auf, suchte akribischen Auges seinen Heimatort und das ferne Ziel. Kombinatorischen Denkens sei Dank er├Ârterte unser Herr den idealen Streckenverlauf und machte sich alsbald auf die Socken. Respektive R├Ąder. Mit gerade einmal zwei Zwischenhalten zum Nachpr├╝fen des aktuellen Standpunktes und der Planung einer Ausweichstrecke aufgrund unvorhergesehener Bauarbeiten erreichte der Mann schlie├člich sein angestrebtes Ziel und faltete mit einem Schmunzeln im Gesicht die nun nicht mehr ben├Âtigte Stra├čenkarte zusammen. Um sie zu all den anderen Stra├čenkarten ins randvolle Handschuhfach seines Automobils zu legen. GPS, Navis und Google Maps gab es f├╝r die breite ├ľffentlichkeit nicht.

Lexikas

Einen wahrig s├╝├čen Quell frischer Kenntnis erfuhr der Wissenssuchende anno dazumal mittels durchbl├Ąttern tausendseitiger Schinken respektive Lexika. Gel├╝stete es ihm nach Bildung ob eines fremden aufgegriffenen Begriffes, so nahm er sich zum Beispiel des “Der gro├če Knaur”-Lexika an, einer 20-b├Ąndigen, friemelig verfassten Abhandlung modernen Wissens. Neuheiten suchte er dort jedoch vergebens, ward bedrucktes Papier doch langlebig und fern jeglichen Wandels gewesen. Fehler blieben Fehler, Fehlendes blieb fehlend. Die Vorz├╝ge von Wikipedia, Google und Konsorten vermochte der Suchende gar nicht erst zu ertr├Ąumen.

Briefe (handgeschrieben!)

Kein Witz: Spontane Aller-Ortskommunikation, Geburtstagsgr├╝├če in 160 Zeichen oder Einladungen mittels Massenmail per Facebook gab es nicht immer. Vor langer Zeit bedienten sich Menschen zur ├╝berregionalen Kommunikation h├Ąndisch verfasster Texte. Mit einem Schreibutensil brachten sie romantische Liebesbekenntnisse, herzliche Gl├╝ckw├╝nsche, spannende Erz├Ąhlungen und freudige Nachrichten zu Papier. Dieses wurde nach dem Beschreibungsvorgang mehrheitlich mehrmals gefaltet und in papierne Papieraufbewahrungsbeh├Ąltnisse namens “Kuverts” gesteckt. Mittels Speichel und Gummierung verschlossen, befestigten die Menschen mit Hilfe von noch mehr Speichel gekaufte Wertmarken auf eben jene Kuverts, schrieben die analoge Adresse der Zielperson darauf und warfen den gesamten Brief anschlie├čend in grellgelbe Postk├Ąsten ein. Nach der Dauer mehrere Tage bis Wochen (!) traf der Brief letztlich zur hellen Freude der Zielperson an einem v├Âllig anderen Ort auf diesem Planeten ein. Eine sch├Âne Tradition, deren Ausf├╝hrung heutzutage oftmals sowohl an fehlender Geduld als auch an mangelnden handschriftlichen Kenntnissen scheitert.

Micky Maus-Magazin

Seinerzeit, als Kinder noch mit Tamagotchis und Monopoly spielten, bl├╝hte in den Trafiken und Kiosken unserer sp├Ąrlichen Ansiedelungen zugleich der Umsatz knallbunter Comics, so auch der des Micky Maus-Magazins. Spannende Abenteuer und lustige Gegebenheiten mit teils abstrusen, mehrheitlich liebenswerten Comicfiguren wie Donald und Dagobert Duck nebst Neffen, Goofy, Kommissar Hunter, Gundel Gaukeley, Dussel, Opa Knack von den Panzerknackern und Klaas Klever fesselten Myriaden nach Unterhaltung gierender Kinder und auch Erwachsener Woche f├╝r Woche stundenlang an Sofas und bequeme Betten. Einfache Worte, noch dazu auf D├╝nndruckpapier gedruckt. Daran ├╝berhoben sich weder K├Ârper noch Geist. Dennoch stellten diese ruhigen, zugleich fantastischen Momente des Comiclesens jedes Mal ein absolutes Highlight dar. Dauerberieselung mittels Unterschichtenfernsehen, schier unendlichen medialen Archiven wie YouTube oder Computerspielen gab es zu damaligen Zeiten seltener bis ├╝berhaupt nicht.

R├Âhrenbildschirme

Feierabendszene in einer gutb├╝rgerlichen, mitteleurop├Ąischen Behausung aus den letzten Tagen des vorherigen Jahrtausends: Erpicht darauf, den Tag sowie das soziale Leben zu verdr├Ąngen, starrt eine uns beliebige Familie wortkarg gen Wohnzimmerwand. Vor jener Wand erhebt sich ein epochales Monstrum antiker Unterhaltungstechnologie. Gigantisch in seinen Ausma├čen, blechern und knisternd im Sound, stromfressend, arg pixelig und irrsinnig flimmernd im Erscheinen. Eine schwerm├╝tige, raum├╝bergreifende Ger├Ątschaft, erpicht darauf, die Atmosph├Ąre des Zimmers elektrostatisch auf- und ├Ąsthetisch abzuwerten. Flachbildschirme waren allenfalls Relikte irrer, dampfwalzenbedingter M├Ąnneraktionen.

Antennen auf den D├Ąchern

Jene, ├╝ber die Mattscheibe der R├Âhrenbildschirme flimmernde Fernsehprogramme empfing der durchschnittliche Mensch der 90er-Jahre mittels in das blaue Firmament stechender, metallener Antennen. Sperrige, zugleich scharfkantige Vorrichtungen, welche zum Empfangen elektromagnetischer, unterhaltungsgeschw├Ąngerter Wellen auf den D├Ąchern heimeliger Wohnh├Ąuser befestigt wurden. Starke Winde, fiese Gewitter oder hohe, in der Umgebung stehende Objekte nat├╝rlichen und menschlichen Ursprungs vermochten den Empfang spa├čiger Bilder einen D├Ąmpfer zu verpassen. Rauschende Sendungen wurden mittels halsbrecherischem Verrenken der Antenne behoben, V├Âgeln bot sich ein idealer Zwischenaufenthalt und Blitze freuten sich ob der vielen anziehenden Einschlagsm├Âglichkeiten. Kabel-, Satelliten-, DVB-T- oder gar Internetfernsehen waren rare Begebenheiten.

* = An dieser Stelle Gru├č, Achtung, Liebe, Verehrung und Ermahnung an meinen Freund und Besch├╝tzer hYpercrites ­čÖé

5 Kommentare

  1. ­čĄş hYpercrites Tuschelte

    uft, viel text fr├Ąulein, aber gut geschrieben ­čśÇ
    grade an telefonkarten, micky maus hefte (und yps-hefte) erinnere ich mich wirklich noch sehr gut.
    ich hatte damals eine nette kleine sammlung von diesen telefonkarten mit den allerkomischsten bildern darauf!
    und wenn ich mal so in meine eingestaubten kisten irgendwo auf dem dachboden gucken gehen w├╝rde, w├╝rde ich mit sicherheit noch das eine oder andere spielzeug aus dem micky maus / yps heft vorfinden *-*

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    • ­čĹĹ Krony Besprach

      OMG die YPS. Ja, davon liegen im Haus meiner sogenannten Teilkindheit sicherlich auch noch jede Menge in verstaubten Kisten auf dem Dachboden herum. Ebenso Mickey Maus-Magazine, Lustige Taschenb├╝cher, Abenteuer-Team-Hefte, Fix und Foxi-Comics, Garfieldhefte und nat├╝rlich bergeweise Sailor Moon-Magazine ­čÖé Sollte ich beizeiten mal wieder hervorr├Ąumen und lesen *_*

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  2. ­čĄĽ Ein Typ aus laengst vergangenen Tagen Erz├Ąhlte

    Bei Kassetten h├Ąttest du ruhig auch auf das Audiovisuelle ├äquivalent hinweisen k├Ânnen. Was hat man sich da rumge├Ąrgert, um den Videorecorder zu programmieren und aufgepasst, dass man ja nicht in die N├Ąhe von Magneten kommt und alles unwiderbringlich gel├Âscht ist. Mann waren das noch Zeiten ­čśÇ

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    • ­čĹĹ Krony Verbalisierte

      Das hatte ich in der Tat auch geplant, allerdings bemerkte ich dann zu meiner Ern├╝chterung, dass gerade der guten alten VHS in den Tiefen des Webs mehr als zur Gen├╝ge nostalgisch nachgetrauert wurde. Die Kassette hingegen fand bislang wenig Beachtung, warum auch immer. Spielte sie doch gerade auch in meiner Kindheit eine bedeutende Rolle, ich denke nur an die unz├Ąhligen Pumuckl-, Benjamin Bl├╝mchen-, Bibi Blocksberg- und Pippi Langstrumpf-Episoden zur├╝ck.

      Welche ├╝brigens auch heute noch zutiefst zu unterhalten wissen, kann ich jedem nur ans Herz legen ­čÖé

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  3. ­čĄĘ karo L├Ąsterte

    wie hast Du die Website so hinbekommen? H├Ątte auch gern so einen klasse Aufbau meiner Seiten, leider kriege ich das als Laie und aus Mangel an Zeit, mir alles anzueignen was dazu geh├Ârt, nicht hin und habe mich bei einem Programm angemeldet. Die Vorlagen sind bei weitem nicht nach meinen Geschmack. Also wenn Du mir einen Tipp geben k├Ânntest, w├Ąre ich Dir dankbar. FB und Email sind Dir ja jetzt bekannt. W├╝rde mich freuen von Dir was zu h├Âren( ├Ąhm lesen meinte ich nat├╝rlich) lg karo

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