Gott, des Menschen Klotz am Bein

Gott, des Menschen Klotz am Bein

Jahwe, Jehova, Allah, Gott – sämtliche Schöpfer gleichen anspruchsvollen Metaphern, gebart aus der Notwendigkeit heraus, Unerklärliches zu erklären, Unkontrollierbares zu kontrollieren und Unerträgliches zu ertragen. Der frĂĽhe Gottesglaube ward ein notwendiges Stadium in der Entwicklung der menschlichen Kultur gewesen; er wurde mitunter zur mächtigsten Innovation in der Evolution des Homo sapiens. Stämme mit einer Religion besaĂźen einen Vorteil gegenĂĽber jenen ohne Religion. Ihr Ăśberlebenswert war Kulturen bar jeglichen Gottesglauben regelrecht spektakulär; der Kampf um Vorherrschaft und Macht wurde vielfach zugunsten derjenigen Völker entschieden, die die beste religiöse Geschichte auf Lager hatten. Ein Gott legitimierte drakonische Strafen, blutige EroberungsfeldzĂĽge und ungezähmten Machterhalt; brachte Zuckerbrot und Peitsche ĂĽber die gepeinigte Menschheit. Alle Imperien forderten blinden Glauben, zuvörderst die Göttlichen. Religionen resultierten in Hass, Grausamkeiten, Kriegen und Völkermorden; kosteten Millionen und Abermillionen Menschenleben. Wohl wahr, himmlische Religionen dienten vor allem der Pflege von irdischer Macht und Gier.

Attributen, welche im Kontext dieser Tage auĂźerordentlich obsolet erscheinen; entsprechend grotesk vermögen Gläubige der Gegenwart anzumuten; sie gleichen den populären drei Affen, welche mittels augenscheinlich heroischer geistiger Anstrengungen zum Trugschluss gelangten, Gott existierte – ungeachtet allen gesunden Menschenverstandes. Sie glauben zu glauben; jedoch mitnichten aus eigener Erkenntnis resultierend, sondern aus seit Kindestagen vom direkten Umfeld eingetrichterten Lehren als auch Phrasen. Und finden Trost in diversen Konzepten des Himmelreichs, welche allesamt bemerkenswert armselig dĂĽnken. HierfĂĽr leben wie auch sterben zu wollen, kundet entweder von an SelbstgeiĂźelung grenzender Bescheidenheit – oder von blanken, aus Unwissenheit geborenem Wahnsinn. Der Torheit jener Kirchgänger gebĂĽhrt hoher Respekt.

Mitleid gilt jedem armen Tropf, der sich heutzutage – zu Beginn des dritten Jahrtausends – geistig hartnäckig an irgendeinen Stammesgott klammert, welchen sich ein paar volltrunkene, kriegerische Hirten vor Tausenden von Jahren bei Grilllamm und Bier ausdachten. Glaube ist, es nicht besser zu wissen? Pustekuchen! Denn Glaube ist, es nicht besser wissen zu wollen. Gar manch einer sucht in Gott zeit seines Lebens den Sinn Selbiges – und vergeudet ob des stetigen Suchens sein eigenes auĂźerordentlich sinnfrei. Selbst wenn es einen Gott gäbe, wäre dieser doch nicht allmächtig. Weder schaute ein Gott die Zukunft, noch wĂĽsste er den Sinn des Lebens. Denn wenn du an deinem Ziel angekommen bist, warum dann noch den Weg zurĂĽcklegen? Wenn du die Antwort bereits kenntest, warum dann noch die Frage stellen? Wäre Gott allmächtig, verlöre alle Existenz ihre Daseinsberechtigung; und Gott per se hätte keine Bedeutung mehr. Somit gliche ein Gott keinesfalls einem göttlichen Wesen, sondern stĂĽnde mit uns Menschen auf Augenhöhe; stellte sich dieselben Fragen wie wir auch. Ein reeller Gott wäre wie wir – oder wir Menschen sind wie Götter.

Indes: Wir Menschen existieren. Aufgeweckter und schaffender denn je. Was Religionen sowie deren Götter ĂĽber Dekaden hinweg versuchten, kann der Mensch nun endlich erreichen. Wir verfĂĽgen mehr und mehr ĂĽber die Möglichkeiten, das Unerklärliche zu erklären und das Unkontrollierbare zu kontrollieren. Gott ist ĂĽberflĂĽssig geworden; die Menschheit endlich erwachsen. Wir sind beileibe nicht perfekt; mitnichten. VerspĂĽren tagtäglich die brutalen Wehen der Geburt eines neuen Zeitalter, des Anthropozäns – dem Zeitalter der Menschen. Machtstreben, Gier und allem voran Religionen stellen rauen Sand im filigranen Getriebe unserer globalen (R)evolution dar. Knirschen gewaltig. Bremsen unseren Fortschritt. MĂĽssen und werden mit der Zeit ĂĽberwunden werden, aus eigenem Antrieb, denn kein Problem wird gelöst, wenn wir träge darauf warten, dass ein Gott sich darum kĂĽmmert.

Und doch agieren wir schon heute mehr und mehr als Schöpfer neuen Lebens, Autor unserer Geschichte, Modelleur unseres Planeten. Unser Schaffen, ebenso unser Wirken; unser stetiges Streben nach Höherem; unsere freien Geister sowie grundlegend banal anmutende humane Interaktionen Ă  la reden, zuhören, ausreden lassen, verstehen, einigen, vertrauen, helfen, und unterstĂĽtzen – sie verkörpern die göttlichen Attribute der aus den Kinderschuhen tretenden Spezies Mensch.

Wir brauchen keine Götter mehr. Wir SIND Götter. Und unser gemeinsames Abenteuer hat gerade erst begonnen!

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