Gedanken zur AfD, der Alternative ZU Deutschland

Gedanken zur AfD, der Alternative ZU Deutschland

Es folgen Gedanken zur gegenw√§rtigen Omnipr√§senz der AfD, der selbst ernannten „Alternative f√ľr Deutschland“ – erpicht darauf, Licht in das wirre Dickicht gef√§hrlichen Halbwissens und gedankenlosen Nachplauderns zu bringen. In die Retrospektive zu steigen und beflissen zu reflektieren, welche Weltanschauung die AfD verk√∂rpert.

Eben jene Partei, welche momentan auf einer wachr√ľttelnden Welle des Sieges von Wahlerfolg zu Wahlerfolg reitet, profitiert dieser Tage in erster Linie aus der √ľberspitzten Darstellung und medialen Ausschlachtung der als unumg√§nglich und schauerlich skizzierten Folgen der aktuellen Fl√ľchtlingskrise – obgleich diese genau genommen in keinster Weise absehbaren sind. Die Partei kommuniziert vordergr√ľndlich soziokulturell mit inhaltlichem Fokus auf gesellschaftliche Werte, Normen und Ordnungen und vermittelt besorgten B√ľrgern den Eindruck, sich der Zukunft des wahren Deutschen; Wohl und Wehe des einfachen Volkes anzunehmen. Doch bedient und profitiert hierbei gleicherma√üen von tief sitzenden √Ąngsten, obskuren Bef√ľrchtungen, blo√üer Unwissenheit und vorurteilsgeschw√§ngerter Intoleranz – sowie im besonderen Ma√üe von der besorgniserregende Dimensionen angenommenen Politikverdrossenheit samt hiermit korrelierenden Protestw√§hlertums. Das ist deren Politik: den Leuten so viel Angst einjagen, dass ihnen jede L√∂sung recht ist.

Indes – abseits der politischen Ausschlachtung von Besorgnissen und Fl√ľchtlingsleiden vertritt die AfD ein nicht nur ungew√∂hnlich konservatives, sondern misanthropisch, gar r√ľckw√§rtsgewandt anmutendes Wahlprogramm. So beinhalten die wichtigsten Punkte der j√ľngeren diversen Programme sowie Aussagen zu Europa-, Bundestags- und Landtagswahlen: Abschaffung des Mindestlohns und der Erbschaftssteuer. Niedrigere Steuern f√ľr Reiche. Leugnung des Klimawandels und damit einhergehende Streichung zur F√∂rderung alternativer Energien sowie einen abrupten Ausstieg aus dem Atomausstieg. R√ľckbesinnung der Frauenrolle als zentrales Element traditionell heterosexueller Familien. F√∂rderung abendl√§ndischchristlicher Werte. Drastische Sanktionen f√ľr Langzeit-Hartz IV-Empf√§nger. Aufheben der Mietpreisbremse. Streichung der Unterst√ľtzung beitragsfreier Kindertagesst√§tten. R√ľckkehr der Wehrpflicht. Privatisierung √∂ffentlicher Krankenh√§user. Eventueller Ausstieg aus der Eurozone und R√ľckkehr zur Deutschen Mark. R√ľckformierung der Europ√§ischen Union zu einer jeweils souver√§n regierenden Ansammlung einzelner Staaten. Grenzz√§une zum Schutze europ√§ischen Gebietes. Massive Einschr√§nkung geltenden Asylrechts. Einstellung g√§ngiger Unterst√ľtzungen f√ľr Nichtdeutsche, abgesehen von Sach- und Geldleistungen sowie medizinischer Nothilfen. Und zu guter Letzt Einf√ľhrung von nicht n√§her definierten „Sonderstrafrechten“ f√ľr Ausl√§nder [siehe und siehe].

Es wird ein homogener deutscher Staat erw√ľnscht, ein von der Europ√§ischen Union und der Weltgemeinschaft weitestgehend abgetrenntes Deutschland. Ein Land, irgendwo zwischen Gesinnungen der 30er-Jahre und Normen der 50er-Jahre des letzten Jahrhunderts des vorherigen Jahrtausends gebettet, fernab von Globalisierung und menschlicher Einheit – und durch und durch einem gesellschaftlichen Weltbild gleichend, das so gerne dem deutschen entsprechen w√ľrde, dieses aber schon seit einem halben Jahrhundert nicht mehr repr√§sentiert. Die AfD ist nicht nur das Pausenzeichen der Geschichte, sondern der Zur√ľckspulenknopf.

Leider steht die Alternative f√ľr Deutschland mit diesen Attit√ľden nicht alleine auf weiter Flur; sie agiert vielmehr als deutsche Ausgeburt eines gesamteurop√§ischen Trends gen rechter Ideologien dar. So verbucht beispielsweise die rechtsextreme Front National in Frankreich beachtliche Erfolge. Ebenso die nationalkonservative Partei Recht und Gerechtigkeit in Polen. Oder die Freiheitliche Partei √Ėsterreichs sowie die Schweizerische Volkspartei. In Griechenland wiederum erstarkt die Partei Goldene Morgenr√∂te, welche unter anderem f√ľr ihre aggressiven, fremdenfeindlichen Ausf√§lle und neonazistischen Devisen Bekanntheit errangen. Selbes Bild bietet die D√§nische Volkspartei. Die rechtspopulistische Lega Nord in Italien. Und selbst in der Tschechischen Republik, Ungarn und der Slowakei mehren sich partei√ľbergreifende Forderungen f√ľr einen sofortigen Aufnahmestopp von Fl√ľchtlingen, f√ľr Ausweisungen von Ausl√§ndern und f√ľr den staatlichen Schutz des eigenen Volkes vor √úberfremdung und nicht christlichen Glaubens [siehe und siehe].

Hierzulande wird diese neue trendige Position rechten Charakters eben von der AfD bedient. Einer Partei, deren Anh√§nger mitnichten einen j√§hzornigen Pulk tumber Trottel darstellt. Nope, vielmehr eine wachsende Schar durchaus gebildeter, „besorgter“ B√ľrger und unbesonnener Mitl√§ufer, welche augenscheinlich Verst√§ndnis, Einigkeit und Genugtuung in den zumeist blumigen Phrasen der Alternative f√ľr Deutschland finden. Die Gesinnung der Partei vermag nach au√üen zwar verbl√ľffend harsch zu wirken, inhaltlich jedoch – bis dato – weitestgehend gem√§√üigt. Ausnahmen best√§tigen die Storch. Allerdings: Die strikte Einordnung von Menschen in V√∂lker und / oder Ethnien; in Kombination mit einer diesbez√ľglich einhergehenden Unterordnung anderer politischer Themen – oder ist dir die AfD heutzutage abseits der Forderungen und Debatten rund um die Fl√ľchtlinge wegen anderer Inhalte bekannt? – ist: rechten Naturells. Und eine gesch√∂nte, in ihrer Quintessenz indes durchaus v√∂lkisch, nationalistisch-identit√§r und rechtspopulistisch veranlagte Rhetorik ist ebenfalls: rechten Naturells.

Sicher, der Otto Normal-AfD-W√§hler sollte keinesfalls als reinrassiger Nazi betitelt werden. Dies w√§re fatal und unbedacht – zumal jene verbale Diffamierung und endg√ľltig anmutende Einordnung in Schubladen mit Beschriftungen Richtung nationalsozialistischen Gedankenguts nur noch weiter das Weltbild besagter besorgter W√§hler best√§tigt, selbst unschuldig ausgegrenzt und Opfer einer √ľbergreifenden Verschw√∂rung von Rechtsstaat, L√ľgenpresse und uns Verr√§terparteien w√§hlenden Volksverr√§tern zu sein. Anschuldigungen dieser Art sch√ľren damit nur weiter Trotz und Eifer hin zur und f√ľr die Alternative f√ľr Deutschland.

Nichtsdestotrotz l√§sst sich hinsichtlich der teils verschrobenen Ideologie der AfD-Mitglieder ein auffallendes Ost-West-Gef√§lle feststellen: Im Westen herrscht eine tendenziell moderatere Inszenierung vor; die AfD pr√§sentiert sich als klassisch-konservative Alternative f√ľr Deutschland mit einem gem√§√üigten Unterton und gr√∂√ütenteils fundiert argumentierenden Kandidaten, lediglich zwischen den Zeilen und hinter vorgehaltener Hand l√§sst sich ein hitzig-bei√üerischer Unterton erhaschen. In den √∂stlichen Bundesl√§ndern dagegen, allen voran in Sachsen-Anhalt, p√∂beln deren Vertreter in aller √Ėffentlichkeit mit einer aggressiven, ja bisweilen gar biologistisch veranlagten Rhetorik – und ernten Wohlgesinnung, Beifall als auch peinliche, obgleich patriotisch gemeinte „Wir sind das Volk!“-Rufe. Das Motto lautet: Wir, das deutsche Volk, sind durch Demografie und Zuwanderung, durch multikulturelle Einfl√ľsse und kosmopolitische Verlotterung in unserem Bestand gef√§hrdet. Allerdings wird auch in den westlichen Bundesl√§ndern der allgemeine Tenor zunehmend sch√§rfer – aufgrund des √ľberraschenden Erfolgs der AfD und der verzweifelten Nacheiferungsversuche der bisweilen √ľberfordert wirkenden etablierten Parteien sogar partei√ľbergreifend [siehe und siehe].

Nun – Hoffnungen auf einen √§hnlichen Werdegang der AfD wie bei den Piraten, welche nach einer anf√§nglich euphorischen Phase des Erfolgs schonungslos in den Abgr√ľnden der Streitigkeiten und Bedeutungslosigkeiten verschwanden, d√ľrften leider eines bleiben: illusorischer Optimismus. Denn die AfD ist gekommen, um ihr rechtes Fundament erbarmungslos in die Mitte der Gesellschaft zu zementieren – und wird uns allesamt noch viele Jahre besch√§ftigen. Auf die eine oder andere Art und Weise, zweifellos jedoch unangenehmer Natur.

Nun, du darfst dennoch durchaus die AfD w√§hlen; dies steht dir von Gesetz her frei. Aber dann w√§hlst du mittelfristig keine alternative F√úR Deutschland, sondern eine ideologisch umnachtete alternative ZU Deutschland, eine offensichtliche Abkehr von Menschlichkeit und Demokratie. Klar, selbstredend steht es dir ebenso frei, dich entspannt zur√ľck zu lehnen und der momentanen Geschichte ihren unweigerlichen Lauf zu lassen. Denn du hast im Angesicht der von der AfD ersehnten, reinen deutschen Landen nichts zu bef√ľrchten. Mitnichten. Zumindest, sofern du nicht andersgl√§ubig, atheistisch, schwul, bi, transsexuell, links, intellektuell, arm, Single oder einer der 7.300.000.000 au√üerhalb Deutschlands lebenden Menschen bist.

So wehret also den Anf√§ngen? Pustekuchen – wir befinden uns bereits mittendrin. Der Einleitung zum dunkelsten Kapitel unserer humanen Geschichte droht eine Wiederholung; es liegt an den menschenfreundlichen, weltoffenen B√ľrgern dieses Landes, ja dieses Planeten, weiteres Voranbl√§ttern gen bitteren Hauptteil zu verhindern. An mir – und dir.

2 Kommentare

  1. ūü§Ē
    Tobias

    Die AfD ist einfach nur Abfall. Ihre Politik ist das ebenfalls.

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  2. ūü§ē
    Claudia

    Sieht ja heute leider schon wieder ganz duster aus :-/

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