Durchgespielt: Halo 3, Halo 3: ODST & Halo 4

Durchgespielt: Halo 3, Halo 3: ODST & Halo 4

Halo 3

Halo 3 im direkten Anschluss an Halo 2 Anniversary zu spielen kommt einer eher mittelmäßigen Idee gleich: Zwar spinnen die rund 8 Stunden Spielzeit die Geschichte der Halo-Trilogie munter weiter und bringen sie zu einem vorläufigen Ende, doch hinterlassen sie bei nüchterner Betrachtung einen recht faden Beigeschmack im Gamer-Munde – sowohl inhaltlich wie auch äußerlich. Die vorhersehbare Geschichte von Halo 3 endet zusammengefasst damit, dass wir die Gefahr durch die Flood endgültig bannen, alle Halos von einem zentralen Punkt aus deaktivieren und einen beidseitigen Waffenstillstand mit der erbittert bekämpften Allianz beschließen. Friede, Freude, Eierkuchen; wer hätte das nur kommen sehen?!

Grafisch auf dem Niveau eines 2008 erschienenen FarCry 2, in Teilen gar nur eines originären FarCrys (2004), erscheint Halo 3 gerade in Anbetracht der optischen Leckerbissen zuvor gespielter Anniversary Editions mitunter unbefriedigend, indes durchaus stimmig und atmosphärisch inszeniert. Auch der Soundtrack ist wie immer klasse und erreicht mit Halo 3 hinsichtlich Vielfalt und Brillanz seinen vorläufigen Höhepunkt, er wummert uns mal aufpeitschend treibend, mal beruhigend säuselnd um die Ohren. Dennoch ist Halo 3 im subjektiv empfundenen, direkten Kontrast zu seinen beiden Vorgängern – und aus dem Kontext des Jahres 2021 betrachtet – alles in allem ein nicht sonderlich überraschender Shooter. Erneut sehr geradlinig, mit denselben grauen Bauwerken und linearen Levels vorheriger Teilen ausstaffiert. Befüllt mit denselben Gegnertypen, denselben Waffen und demselben knackigen, doch so langsam ebenfalls ausgelutsch anmutenden Gunplay. Alles schon mal dagewesen.

Halo 3 hält fast ausschließlich wegen seiner wie eh und je großartig präsentierten Story bei Stange; alles Weitere ist Fleißarbeit nach Schema F. Womöglich fußt die aufkeimende Ernüchterung meinerseits auch in der direkten Abfolge der durchspielten Halo-Teile. Historisch gesehen lagen jeweils mehrere Jahre der Pause zwischen ihnen, sodass Vergangenes dank des Blickes durch die Gläser der obligatorischen rosa Brille imposanter und besser erscheint als es womöglich war und die Freude auf eine Fortsetzung der Geschichte zudem direkt proportional mit der Dauer der vergehenden Zeit anwuchs.

Prädikat: Kannste machen, musste aber nicht. Notfalls genügt zum Abhaken dieses Spieles eine der vielen dargebotenen Story-Zusammenfassungen auf YouTube.


Halo 3 Trailer „Believe“


Eckdaten zu Halo 3

Subjektive Wertung:
starstarstar_outlinestar_outlinestar_outline
Entwickler:
Bungie
Publisher:
Microsoft Game Studios
Erstveröffentlichung (Steam):
14. Juli 2020
Genre:
First-Person-Shooter
Website:
https://store.steampowered.com/app/1064271/Halo_3/

Halo 3: ODST

Huch, noch ein Halo-Ableger, der im Halo-Universum angesiedelt ist und erneut ohne Master Chief auskommt? Aber ja doch. Nachdem der erste Ableger Halo: Reach die Vorgeschichte zu Halo 1 erzählte, spielt Halo 3: ODST nun parallel während und nach den Geschehnissen in der kenianischen Stadt Neu Mombasa aus Halo 2, welche durch den erdnahen Slipspace-Sprung des Raumschiffs des Prophet des Bedauerns in ein kokelndes Trümmerfeld verwandelt wurde.

In Halo 3: ODST sind wir Teil einer Sondereinheit der UNSC-ODST-Marines und springen über Neu Mombasa ab, um einen „Geheimauftrag“ auszuführen. Just während unseres Absprungs vollführt genanntes Propheten-Raumschiff jedoch den Slipspace-Sprung, weswegen unser Team durch die Wucht der Schockwelle über die gesamte Stadt verstreut niedergeht. Wir überleben den Aufprall, kommen bei Nacht wieder zu bewusstsein und müssen unser Team nun Mission für Mission neu zusammensammeln. Um ganz am Ende des Spieles doch noch die initiale Geheimmission abzuschließen, die sich als allenfalls mikrowellenerwärmter Cheeseburger vom Vortag entpuppt. Und das ist der gesamte Inhalt des Spieles. Sammel deine Kollegen auf und schließe den Auftrag ab. Passt so auf den Bruchteil einer Serviette und ist in circa 6 langatmigen Stunden vollendet.

Eingebettet ist Halo 3: ODST in eine düstere, dreckige (und natürlich graue) Stadtumgebung, die durch die weniger schlauchige, dafür halb-offene Labyrinth-Spielwelt extrem unübersichtlich anmutet, pseudo-futuristisch gestaltet ist und recht schnell dröge, leblos und erschreckend repetitiv wirkt. Was wir indes nur teilweise bemerken, denn da die Infrastruktur der Stadt zerbröselte und wir bei Nacht aktiv sind, spielen wir zumeist in nahezu vollständiger Finsternis, weswegen die grauen Kulissen dank 50 Shades of Darkness düster und oftmals bis in die Unkenntlichkeit reichend schwarz wirken. Wer die Wohltat einer intensiven Farbpalette und atemberaubende Panoramen sucht, ist in Halo 3: ODST definitiv fehl am Platz. Und auch akustisch unterscheidet sich das Spiel von den bisherigen Teilen; statt treibender Elektro-, Synthesizer- oder Rockmusik umspielen die Ohren or­ches­t­rale bis klassische Töne. Das ist ungewohnt, doch situativ durchaus wohl bedacht in das Spiel eingebettet.

Nun, Halo 3: ODST ist beileibe kein Werk der Kategorie Muss-man-gespielt-haben, sondern allenfalls eines aus Nice-to-have. Ein Halo, dass dieselben Mechaniken wie jedes bisherige Halo beinhaltet (gut, keinen Master Chief, aber dennoch Supersoldaten) und entsprechend vor allem hart gesottene Fans ansprechen dürfte. Jenes Klientel, dass einfach nicht genug vom klassischen Halo-Gameplay bekommen kann.

Prädikat: unnötig und bisweilen anstrengend.


Halo 3: ODST Trailer


Eckdaten zu Halo 3: ODST

Subjektive Wertung:
starstarstar_halfstar_outlinestar_outline
Entwickler:
Bungie
Publisher:
Microsoft Game Studios
Erstveröffentlichung (Steam):
22. September 2020
Genre:
First-Person-Shooter
Website:
https://store.steampowered.com/app/1064272/Halo_3_ODST/

Halo 4

Uh. Halo 4. Weitere 7 Stunden Spielearbeit, um mitzuerleben, wie das Halo der zwei Generationen alten Next Gen-Konsolen die abgeschlossene Trilogie der bisherigen Serie aufgreift und fortsetzt. Warum? Weil es geht und Geld in die Kassen spült. Kann die Gefahr im Halo-Universum durch die Beendigung der Flood-Bedrohung also wirklich abgewendet sein? Pustekuchen! Die spektakuläre Deaktivierung der Halos in den vorherigen Teilen blieb nicht ganz unbemerkt, denn plötzlich stehen ihre Erbauer, die Blutsväter, auf der Türmatte – und scheinen nicht sonderlich erfreut über die Präsenz der Menschheit und ihres Wirkens im Universum zu sein. Irgendwie scheint es fast so, als hegten die Blutsväter einen alten Groll gegen die Menschen und verbünden sich daher flink mit der Allianz, um mit vereinter Macht die von den plötzlichen Ereignissen vollends überrumpelte Menschheit zu attackieren. Und wer stellt sich dem entgegen? Klar, wir mal wieder, als Master Chief.

Der Krieg geht fleißig weiter und wird nun an anderen Fronten gefochten, gegen den Urvater respektive Blutsvater der bisherigen Bedrohungen – und selbstverständlich im nahezu selben Stil wie bisher. Schlauchlevels (mitunter grau, doch tendenziell wirkt die Welt von Halo 4 tatsächlich farbenfroher als in den Vorgängern) treffen auf Schießeinlagen, folgen auf Fahrzeugeinlagen, schließen an Schlauchlevels mit Schieß- und Fahrzeugeinlagen an. Halo 4 wartet mit ein und denselben bewährten Mustern der Vergangenheit auf, doch auch mit einer Neuerung: den unverbrauchten Gegner- und Waffentypen der Blutsväter, die gekonnt in die Lore von Halo eingeführt werden, sich hinsichtlich Aussehen und Verhalten an bestehenden Typen anlehnen und optisch dennoch grundlegend davon unterscheiden. Wie auch die gesamte Grafik des Shooters, die heutzutage zwar auch nicht mehr so ganz taufrisch wirkt, doch immer noch einen Quantensprung gegenüber Halo 3 darstellt. Antike Next Gen-Grafik eben.

Sei’s drum, die Geschichte motiviert, ihre Inszenierung ist auf gewohnt hohem Niveau und das Spiel adressiert genau all jene Bedürfnisse, die wir seit Beginn der Halo-Serie schätzen wie auch hassen lernten.

Prädikat: Mach’s noch einmal, Sam.


Halo 4 Trailer


Eckdaten zu Halo 4

Subjektive Wertung:
starstarstarstar_halfstar_outline
Entwickler:
343 Industries
Publisher:
Microsoft Game Studios
Erstveröffentlichung (Steam):
17. November 2020
Genre:
First-Person-Shooter
Website:
https://store.steampowered.com/app/1064273/Halo_4/

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