Sowohl alte Medien wie Fernsehen und Rundfunk als auch die unergrĂŒndlichen DatensphĂ€ren des Internets sind dieser Tage auf notorisch lieb getrimmt. Allenorts wird sich heftigst geknuddelt, gelacht, geliked, gefreut, geplusst und geherzt ♄. Alles gefĂ€llt jedem :), die Welt ist gut :), die Sonne scheint 🙂 und wir selber sind, so scheint es, ebenso reiner NaivitĂ€t verfallen dauerfröhlich :).

Web, Radio, Zeitungen, Magazine und selbstverstĂ€ndlich Unterschichtenfernsehen vermögen in mir verstĂ€rkt ein resignierendes GefĂŒhl des Kotzens auszulösen. Ich empfinde Ekel, Abscheu; ja Verachtung ob der sich stetig wiederholenden Phrasen, welche in besagten Medien geschrieben, gesprochen und debattiert werden. Wir konsumieren Tag ein Tag aus das gleiche Zeugs, die gleichen Witze. Dieselben Metaphern, Schmonzetten und Floskeln. Und verfallen ob dieser unkreativen Dauerberieselung in den ebenbĂŒrtig drögen, uns vorgespielten pseudo-fröhlichen Trott. Die Medien Ă€hneln meines Erachtens nach einer alten Hure: Über Jahre hinweg durch millionen-, ach was, milliardenfache Verwendung verbraucht. Ausgelutscht und abgenutzt. Dieses eiserne, freudvolle Getue. Dieses zutiefst heuchlerische Smallgetalke. Diese gesamte, allgegenwĂ€rtige Generation Happy verursacht in mir stechenden Kopfweg; nahezu depressive ZustĂ€nde.

Besitzen denn all jene gelaberten Worte ĂŒberhaupt noch eine tiefere Bedeutung fĂŒr uns? Sind sie noch Ausdruck von Gedanken, eigener Meinungen, Ehrlichkeit? Oder verkörpern sie eine hohle, nichtssagende, inhaltlich als auch emotional leere Gewohnheit? Wir passen uns einer grauen, taubblinden Masse an; medial auf glĂŒcklich getrimmt. Und folgen frommen LĂ€mmchen gleich den eingravierten, versteinerten Pfaden dieser lĂŒgnerischen Freude. Erinnert sich noch der einer oder andere Leser an die guten alten Dagobert Duck-Comics, in welchen dieser aufgrund teufelskreisigem GegrĂŒbels stetig im Kreise lief und ĂŒber die Zeit hinweg einen wahren Graben schuf – und aus diesem nur mithilfe einer Leiter entkam? In diesem Stadium stelle ich mir unsere medial-fröhliche Gesellschaft derzeit vor. Und obwohl den meisten von uns – das behaupte, ja hoffe ich einfach mal – dieses Spektakel zum Hals hinaus hĂ€ngt, Ă€ndern wir nichts daran. Grotesk! 😯

Das lÀcherliebe Syndrom

Eine weitere AbsurditĂ€t heutiger Tage; fĂŒr nonexistente, extremst kurzsichtige Liebes- und BeziehungsgefĂŒhle per Web stehend. Wer im digitalen Datennirvana Tag ein Tag aus mit den verschiedensten, spannendsten Persönlichkeiten in Kontakt tritt, wird sehr schnell realisieren, dass sich immer mehr Teenies – allen voran MĂ€dchen – ĂŒber das Web verlieben. Gut, das ist zugegebenermaßen an und fĂŒr sich zu befĂŒrworten und stellt zudem schon lange nichts Besonderes mehr dar. Doch die Grenze zwischen wahrer Liebe und blinden SchmetterlingsgefĂŒhlen ob ĂŒberschĂ€umender NaivitĂ€t, ach was, dumpfer Blödheit, ist schnell ĂŒberschritten. Wie oft bekam ich am Rande mit, dass sich Chickas in sozialen Netzwerken wie Facebook oder – o Graus, wie peinlich – Knuddels.de binnen weniger Augenblicke in eine andere Persönlichkeit respektive deren Profil verliebten. Und in dieser bis dato völlig unbekannten Person die Liebe fĂŒrs Leben sahen. Freude schöner Götterfunken!

Anschließend folgte fast immer der Tragödie Anfang; das scheinbar Höchste der GefĂŒhle. Das öffentlichkeitswirksame Verstellen des Beziehungsstatus von “Single” zu *trommelwirbel*“In einer Beziehung”!!!einself! Diese “Beziehungen” dauern dann zumeist einige Tage bis Wochen, in selten FĂ€llen gar noch lĂ€nger. Der Haken an der Sache: Die beiden Verliebten trafen sich im echten Leben noch nie. Ihre Beziehung basiert lediglich auf gemeinsame Chatzeilen, nicht zu ĂŒberprĂŒfende Fotos und in den besten FĂ€llen noch auf gemeinschaftliche Skype- und Webcam-Sessions. Wie sich der jeweils andere Partner außerhalb des Webs verhĂ€lt – wie er sich bewegt, riecht und wirkt – bleibt hingegen unklar.

Der Tragödie Schluss beschreibt den peinlichen Bruch dieser skurrilen Beziehungen, welche fĂŒr einen gesunden Menschenverstand eigentlich keine Beziehung darstellen KÖNNEN; ja dĂŒrfen! Nun gut. HĂ€ufig tritt in diesen Un-Beziehungen auf einer Seite urplötzlich eine neue, ungleich strahlendere Person auf die BĂŒhne. Und nimmt alsbald die stark frequentierte Stellung als “neue Liebe fĂŒrs Leben” ein. Der Beziehungsstatus wird vorĂŒbergehend von “Vergeben” auf “Single” zurĂŒckgestellt; inklusive obligatorischem, fĂŒr alle Beteiligten unglaublich nervigen Drama-Gedöhns und Freundinnen-Getröste. Selbstredend wieder ausschließlich digital.

Ich taufte diese sich eines quietschenden Hamsterrades gleich wiederholende Beobachtung liebevoll das “lĂ€cherliebe Syndrom“. Und richte mein Wort hiermit an all diejenigen, welche sich durch vorangegangene Zeilen angesprochen beziehungsweise auf den Fuß getreten fĂŒhlen: Ihr seid erbĂ€rmlich! Ganz ehrlich. Naiv, erbĂ€rmlich und peinlich! Klappt euren Laptop zu, betĂ€tigt den TĂŒrknauf, tretet hinaus und lernt das echte Leben kennen!

10 Kommentare

  1. 😇 Prosti95 Sabbelte

    Das beenden der Freundschaft durch löschen von ,,gemeinsamen” Fotos, bzw. Verlinkungen und durch entfernen aus der Kontaktliste hast du garnicht erwĂ€hnt….. 😀

    Schön geschrieben! (:

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    • 👑 Krony Sagte

      Moinmoin Nickii,

      diese Art der FreundschaftsaufkĂŒndigung kannte ich bis dato auch noch nicht. So etwas soll es wirklich geben, sicher? Foto gelöscht – “Freundschaft” terminiert? Phuu, das wĂ€re ja sogar noch peinlicher als peinlich. Und in AnsĂ€tzen zutiefst traurig.

      Krony

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      • 😐 Prosti95 Haspelte

        NatĂŒrlich gibt es sowas. Wenn die Freundschaft Online beginnt dann wird der dazu gehörige Bitchfight ja wohl auch online celebriert. Und der Höhepunkt bzw. Tiefpunkt ist da natĂŒrlich die ĂŒberaus reife Entscheidung die Person zu ,,löschen”… Daraufhin mĂŒssen natĂŒrlich auch sĂ€mtliche Beweise fĂŒr die Existenz der Freundschaft,, gelöscht” (Facebook Datenschutz, you Know?) werden. FrĂŒher hat man zur Trauer BewĂ€ltigung unter TrĂ€nen Bilder zerrissen und verbrannt wĂ€re spannend zu beobachten ob das löschen der Bilder per Klick auch unter TrĂ€nen ausgefĂŒhrt wird und in den Personen dasselbe auslöst….

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        • 👑 Krony Sprach

          Vermutlich in den seltensten FĂ€llen. Emotionale Regungen in sozialen Netzwerken respektive Emoticons, welche besagte Regungen widerspiegeln sollen, gleichen nahezu nie dem wĂ€hrend des Schreibens aktuell vorherrschendem Gesichtsausdruck. Du kennst sicherlich dieses Meme, in dem reelle und digitale Emotionen gegenĂŒbergestellt werden – im Web theatralisch weinend, freudig lachend oder kochend wĂŒtend, in der RealitĂ€t durchgehend denselben stumpfen Ausdruck. So wird dies auch in deinem besagten Szenario ablaufen – klick, gelöscht, abgehackt. NĂ€chster bitte.

          Aber wie gesagt trifft dies NICHT auf jede dieser Gegebenheiten zu. Das Löschen oder Blockieren einer Freundschaft – und damit der Entzug jeglicher verbliebener Kontaktmöglichkeiten – kann meiner Erfahrung nach wirklich extreme innere Schmerzen und massig kugelrunde TrĂ€nen hervorrufen. Ich denke, das ist vom spezifischen Fall und der vor dem Bildschirm sitzenden Person abhĂ€ngig.

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  2. 🙊 JustCallMeBecci. Meldete

    @prosti95

    Besonders zeigt man Reife durch sperren eines ‘Freundes’ .
    Überhaupt hat das Wort “Freundschaft” durch Soziale Netzwerke doch eine ganz andere Bedeutung bekommen…
    Traurig sowas !

    Trotzdem , Geeeeeeiler Text ;D

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    • 👑 Krony LĂ€sterte

      Aloha Becii,

      in der Tat bekam die klassische Freundschaft in den digitalen SphĂ€ren eine neue Bedeutung verpasst. Dies bedeutet allerdings nicht, dass der Begriff der Freundschaft an sich herabgewertet wurde – Freundschaften in sozialen Netzwerken stellen lediglich eine neue Unterkategorie der Überkategorie “Freundschaft” dar. Zwischenmenschliche Beziehungen und Bekanntschaften, nur eben auf einer anderen Ebene. Derer es bis dato bekanntlich sowieso schon einige gab, als da beispielsweise Beste Freunde, Fickfreunde oder Brieffreunde wĂ€ren.

      Siehe diese neue Art der Freundschaft also nicht als etwas Negatives, sondern als zeitgemĂ€ĂŸe, durch die Reihe andersartige Bereicherung aller Freundschaften 🙂

      Liebe GrĂŒĂŸe, Krony

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      • 😎 JustCallMeBecci. Sprach

        Naja , Bereicherung …. :DD Ich weiß nicht , dass kann man dochnicht Freundschaft nennen… Facebook Freunde werden zu Prestigeobjekten , man wird “Fame” und so weiter.. So kann man doch ein völlig neues Leben im Internet aufbauen…

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        • 👑 Krony Plauderte

          Doch, das sind Freundschaften. Anderer Art. Damit wirst du dich wohl ĂŒber ĂŒbel abfinden mĂŒssen – die gesellschaftliche Entwicklung steht schließlich nicht still. Ob man dies nun gut- oder schlecht heißen soll, bleib jedem selbst ĂŒberlassen. Und hey – der Prestigefaktor, welcher aus einer möglichst großen Anzahl an Facebook-Freunden erwĂ€chst, ist mehr als zweifelhaft. Hierzu existieren schöne Untersuchungen, welche meine Vermutungen belegen, dass Personen mit enorm vielen digitalen Freunden im reellen Leben eher EinzelgĂ€nger und/oder unglĂŒcklicher sind. Siehe “More friends equals more stress on Facebook” und “The more Facebook friends you have, the unhappier you are“. Diese Persönlichkeiten sind ergo weniger zu beneiden, denn zu bedauern =/

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    • 😋 Prosti95 FlĂŒsterte

      Ja.
      Du bist auf meiner Schule – du bist mein Freund.
      Du wohnst in meiner Stadt – du bist mein Freund.
      Einer meiner Freunde ist mit mit dir auf ebenso abstruse weise wie ich mit meinen Freunden befreundet – du bist mein Freund.
      Ich habe deinen Namen mal irgendwo gehört – du bist mein Freund.
      Ich kenne jemanden der deinen Namen mal gehört hat – du bist mein Freund.
      Deine Cousine ist in meiner Klasse – du bist mein Freund……………… 😀

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      • 😊 JustCallMeBecci. ErzĂ€hlte

        Nick , der letzte Satz …. 😀 😀

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