150 kostbare Stunden meines mehr oder minder jungen Lebens investierte ich bereits in Cities Skylines – Zeit also, ein erstes Res√ľmee ob dieser St√§dtebausimulation aus dem schwedischen Hause Paradox Interactive abzugeben. F√ľr Lesefaule vorweg: Auf einer Skala von 1 – 37 vergebe ich mager anmutende 24 Punkte an jenes Spiel, welches meines Erachtens aller Euphorie zum Trotz nicht nur knapp daran scheitert, eine ernst zu nehmende Simulation darzustellen. Die Ursachen dessen, weshalb dies Spiel von mir eine lausige Wertung von lediglich 4¬≤ + 7¬≤ % erh√§lt, soll im Folgenden aufgedr√∂selt werden:

Nun, kritischen Blickes startete ich noch am Erscheinungstag Cities Skylines, fiebrig erpicht darauf, ein erstes jungfr√§ulich anmutendes St√§dtekleinod aus dem fruchtbaren Boden eines saftig gr√ľnen Flussdeltas zu kl√∂ppeln. Kritisch, da die mir durch Maxis’s SimCity 2013 zugef√ľgten Wunden hinsichtlich frecher Simulation einer Simulation bis dato nicht vollends verheilen konnten. Die Devise lautete ergo: Hinfort mit dir, Natur – hallo, Beton ‚ô•

Die Zeichen stehen auf Stau

Erster Eindruck meinerseits: L√§uft. Zweiter Eindruck: Steht. Nix ging mehr, meine Stadt versank im Stau. Der Wermut erster Tropfen: Die Wegfindung in Cities Skylines gleicht einer verkappten Farce. Zwar funktioniert selbige um Welten besser denn in SimCity 2013 (was an und f√ľr sich auch nicht allzu schwer realisierbar ist), dennoch wird etwa auf weitr√§umigen mehrspurigen Stra√üen in der Mehrzahl der von mir beobachteten F√§lle nur eine einzige Spur aktiv genutzt. Nehmen wir Autobahnen: Diese sind auf stark frequentierten Abschnitten in der mittleren Spur chronisch verstopft, derweil die beiden anderen Spuren oftmals von g√§hnende Leere und rollendem Tumbleweed beherrscht werden. Rechts gem√§chlich dahinrollen, links gasigen Fu√ües √ľberholen? Pustekuchen! Noch gravierender: F√ľhren zwei f√ľr teuer Geld ausgebaute Wege von A nach B, so erstickt der K√ľrzere im Chaos hupender Blechlawinen, derweil der nur wenige Nanometer l√§ngere alternative Weg bar jeglicher Nutzung hoffnungslos vereinsamt und verwittert. Wohl wahr, die gr√∂√üte Gefahr im reellen Stra√üenverkehr sind Autos, die schneller fahren, als ihr Fahrer denken kann. Auf Verkehrsteilnehmer aus Cities Skylines trifft keines von beiden zu; sie agieren somit frei nach dem Motto: Lieber f√ľnf Stunden im Stau stehen, statt zwei Sekunden der knapp bemessenen Fahrzeit durch Umwege zu verschwenden. Insofern bietet Cities Skylines mitnichten eine ausgefeilte Verkehrsflusssimulation, sondern schickt Fahrzeuge blind und plump auf dem k√ľrzesten Weg vom Start gen Ziel.

Der Tod hält reiche Ernte

Kein Ding, so dachte ich mir, baue ich halt einfach ungleich komplexere Kreuzungen und Stra√üengeflechte, um diesen Eigenarten des Spiels entgegenzuwirken. Gesagt, getan – doch der zweite D√§mpfer folgte sogleich: Seuchenwellen. Immer wiederkehrende Seuchenwellen. Wird ein neuer Stadtteil aus dem Boden gestampft, so ziehen beharrlich neue Bewohner in die frisch errichteten Geb√§ude. Dies hat zur Folge, dass binnen k√ľrzester Zeit ein merklicher Bev√∂lkerungszuwachs stattfindet. Nachteil: je mehr neue Leute gleichzeitig in eine Stadt ziehen, desto mehr Menschen versterben eines Tages. Und zwar parallel. Zumindest in Cities Skylines. Das bewirkt, dass in bestimmten Abst√§nden ‚Äď je nach Gr√∂√üe der Stadt ‚Äď vom einen auf den anderen Moment Hunderte bis Zehntausende Menschen zur gleichen Zeit krepieren. Die Stadt erstickt wortw√∂rtlich im Morast moddriger Leichenberge. Ach was, wird unter ganzen Gebirgen aus Leichen begraben. Der Haken an dieser Sache: Mit verwesenden Leichen versehene Geb√§ude bereiten den dortigen Bewohnern aus durchaus nachvollziehbaren Gr√ľnden Unmut. Ihnen wird √ľbel, sie beginnen zu keifen und murren – und ziehen letztendlich wortlos aus; Vorhang auf f√ľr die gro√üe Flucht, dem Tode zu entrinnen. Ganze Stadtteile verwandeln sich im Zuge dessen in stinkende Leichen-Geisterst√§dte. Im Detail hatte dies bei mir zur Konsequenz, dass meine 1.200.000 Einwohner z√§hlende Stadt binnen Minuten auf 540.000 Einwohner implodierte. Problem: Sobald die tausenden Leichen Mensch sein Dank endlich von an der Belastungsgrenze schuftenden Krematorianern abtransportiert und r√ľckstandslos verbrannt waren, f√ľllten sich die von Siffe und Mensch bereinigten H√§user erneut mit frischen, gar motivierten Bewohnern. Hunderttausende Cim zogen binnen weniger Augenblicke in meine von neuer Hoffnung erf√ľllten Stadt, bev√∂lkerten sie mit quirligen Leben. Und begannen, von Neuem zu altern ‚Ķ Du ahnst es bereits: Ein Teufelskreis ward geboren. Dies makabere Gehabe wiederholte sich alle paar Dekaden und verhinderte schlussendlich das weitere Wachstum meiner Stadt; die Bev√∂lkerungszahlen stagnierten. Grmpf!

Minimaler Durchgangsverkehr

Mehr noch, ab einer gewissen, v√∂llig willk√ľrlich anmutenden Einwohnerzahl h√∂rt die “Simulation” urpl√∂tzlich auf, eine Simulation darzustellen. Nachfrage nach Wohngebieten, Gewerbegebieten und Industriegebieten existiert fortan nur noch auf dem Konzeptpapier, sie friert regelrecht bei null ein – und zeigt sich resistent gegen√ľber jeglicher nicht aus Mods entsprungener Gegenma√ünahme. Au√üerdem kommt der Tourismus zum Erliegen und √∂ffentliche Verkehrsmittel transportieren urpl√∂tzlich keinen einzigen Cim mehr. Einstmals pulsierende St√§dte erstarren somit zu Salzs√§ulen – dies passierte mir in bis dato drei verschiedenen F√§llen. Argh!

√úberhaupt, Tourismus und Bus & Bahn. St√§dte mit siebenstelligen Einwohnerzahlen, imposanten Geb√§uden, Sehensw√ľrdigkeiten sowie Flug- und Seeh√§fen sollen k√ľmmerliche Touristenpulks von wenigen Hundert Individuen per Monat anlocken? Ernsthaft? Der Betrieb eines einzigen Passagierhafens kostet mehr Unterhalt, als alle angereisten Touristen zugleich an Umsatz zu generieren verm√∂gen. Dass im reellen Leben selbst kleinere St√§dte Touristenzahlen im zweistelligen Millionenbereich verzeichnen k√∂nnen, wurde hier aus welchen Gr√ľnden auch immer ma√ülos au√üen vor gelassen. Und dann erst der √ĖPNV: Vorbildlich ausgebaute U-Bahn- und Busnetze locken in Millionenst√§dten geradezu wahnwitzig mickrig anmutende Wochenfahrgastzahlen im unteren f√ľnfstelligen Bereich an. Wait WAT? Hey, selbst der RMV in Frankfurt am Main verzeichnete im Jahre 2014 rund 715.000.000 Fahrg√§ste im √∂ffentlichen Nahverkehr. Und Tokio wiederum – ausschlie√ülich mit U-Bahnen (!) – rund 3,1 Milliarden Fahrg√§ste pro Jahr.

Am Ende meines Lateins

Weiter im Wermutskontext: Auch das Ressourcenmanagement von Cities Skylines l√§sst zu w√ľnschen √ľbrig. Ein Beispiel: Meine Bev√∂lkerung ben√∂tigt Einkaufsm√∂glichkeiten in Form schnieker Gewerbegebiete. Soweit, so klar. Besagte Gewerbegebiete wiederum ben√∂tigen Waren aus Industriegebieten. Auch kein Ding. Industriegebiete wiederum gieren nach Rohstoffen, welche entweder aus produzierender Industrie stammen ‚Äď oder √ľber den Weltmarkt importiert werden. Allerdings trat gerade in letzterem Fall wiederholt die Eigenart auf, dass die Industrie zwar lauthals nach Rohstoffen schrie, diese jedoch auf stadteinw√§rts gerichteten Gleisen und auf Handelslinien der Ozeane im Stau standen. Richtig gelesen, Z√ľge und Schiffe standen im Stau. Die Industrie schimpfte entsprechend und zog schmollend von dannen, Gewerbegebiete folgten, und zu guter Letzt verlie√üen auch die eigentlichen Bewohner meine einst so florierende Stadt. Das Aufrufen an Gigantomanie grenzender, herstellender Industriegebiete vermochte dem nur bedingt entgegenzuwirken; die Probleme hielten sich hartn√§ckig weiter. Warum auch immer.

Geld wie Heu

Man m√∂chte nun kontern, dass eben jene Aspekte Cities Skylines einen gewissen Reiz respektive Schwierigkeitsgrad verleihen. Doch keineswegs! Im Vergleich zum legend√§ren SimCity 4 lassen sich die Bewohner in Cities Skylines viel zu leicht befriedigen (gnnihihi). Ein paar trostlose Bahnhofparks, eine Hauptschle, eventuell noch Bullerei und Feierwehr ‚Äď und schon sind alle Bewohner √ľbergl√ľcklich. Das Spiel gestaltet es dem Spieler viel zu leicht, eine dauerhafte Zufriedenheit der Bewohner zu gew√§hrleisten; und Zufriedenheit ist bekanntlich der Stein der Weisen, der alles in Gold verwandelt, das er ber√ľhrt. Geldspeicherweise Moneten sind der lahmen Taten Lohn. SimCity 4 bot diesbez√ľglich noch wahre Herausforderungen; stetige Expansion, Abstimmungen mit Nachbarst√§dten, ein feinf√ľhliges Steuermanagement und wohl gew√§hlte Stadtverordnungen waren die einzige M√∂glichkeit, f√ľr dauerhaft gr√ľne Bilanzen zu sorgen. Hinzu kamen unerwartete Herausforderungen in Form von Naturkatastrophen wie Tornados, Erdbeben, √úberschwemmungen, Feuersbr√ľnsten, Meteoritenschauern und √§hnlicher Desaster. Dies alles existiert in Cities Skylines bis dato nur ansatzweise – oder eben gar nicht. Parks, Stra√üen, √∂ffentliche Geb√§ude, zack feddich – und gut ist. Laaaaangweilig!

Ende der Fahnenstange

Und, o Graus Рes kam noch enttäuschender: In meinen geliebten Millionenmetropolen geriet ich urplötzlich an im Spiel hartcodiert hinterlegte Barrieren. Jawoll, ich hatte die maximale Anzahl erlaubter Objekte erreicht; konnte fortan weder Straßen noch Gebäude platzieren. Das Spiel lief zwar noch, die vorhandene Stadt pulsierte wie gehabt (und litt unter besagten Seuchenwellen), doch ich war nicht mehr in der Lage, sinnvoll eingreifen zu können. Cities Skylines verkam zum Bildschirmschoner; bis heute existiert keine Mod, welche jene Grenzen anzuheben vermag.

Noch ein letzter Wermutstropfen: Die Simulation jedes einzelnen Cim geschieht in diesem Spiel in der CPU; entsprechend geraten selbst High-End CPUs bei gr√∂√üeren St√§dten an ihre Belastungsgrenze. Meine acht Kerne beispielsweise r√∂deln regelm√§√üig bei knapp 100 % Auslastung. Dies l√§sst die Simulation mitnichten stocken oder ruckeln, nein, sie l√§uft dann lediglich langsamer. Deutlich langsamer. Geradezu kriechend, in Zeitlupe, an R√ľckw√§rtslaufen grenzend. Wahre prosperierende Millionenmetropolen lassen sich somit auch mit Cities Skylines nicht realisieren. Grrr!

Die Hoffnung stirbt zuletzt

All jene Punkte vermochten meine anf√§ngliche Euphorie zu tr√ľben; l√ľfteten den schummrigen Schleier um das hoch gefeierte Spiel und zeigten mir unbarmherzig auf, dass Cities Skylines im Kern zwar ein durchaus viele, viele Stunden fesselndes Sandkasten-St√§dtebauspiel verk√∂rpert, jedoch unter keinen Umst√§nden eine ernst zunehmende St√§dtebausimulation. Meine Hoffnungen und Sehns√ľchte lege ich daher fortan in die H√§nde der begeisterten Community, welche am laufenden Band Erweiterungen und Verbesserungen noch und n√∂cher heraushaut. Ich bin mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon √ľberzeugt, dass Cities Skylines mit der Zeit ein w√ľrdiger Blutsverwandter f√ľr das 2003 erschienene SimCity 4 werden kann. Doch ich wittere ebenso, dass es SimCity 4 in keinster Weise vom Thron sto√üen kann. Aber gut, letztendlich wird die Zeit zeigen, wohin dieses Spiel steuert, eventuell versteht es mich eines Tages doch noch positiv zu √ľberraschen. Von mir erh√§lt Cities Skylines daher aktuell auf einer Skala von 1 – 37 Punkten eingangs besagte, gerade noch akzeptable 24 Punkte.

‚Ķ Ach ja – besser als SimCity 2013 ist es dennoch allemal ūüėČ

2 Kommentare

  1. ūüėā YoursSabrina Er√∂rterte

    Ich habe mich, dank positiver Berichterstattungen, sehr auf das Spiel gefreut und es recht schnell gekauft. Soweit wie du bin ich gar nicht erst gekommen, dank Stau warf ich schnell meinen Hut. So macht das Ganze einfach keinen Spa√ü und ich √§rger mich sehr so viel Geld f√ľr das Spiel ausgegeben zu haben welches ja an sich gar nicht so schlecht ist. Dann bleib ich bei Sierra und m√ľhe mich mit deren Installation ab.

    Kontern!
    • ūüĎĎ Krony Kritisierte

      Erneut Moin Moin YoursSabrina,

      der Umgang mit dem unweigerlich anfallenden Blechlawinen in Cities: Skylines erfordert tats√§chlich Fingerspitzengef√ľhl. Je gr√∂√üer die Stadt, desto dichter der Verkehr – hiermit tat ich mir anfangs auch etwas schwer. Doch mit der Zeit erlernte ich, die Kolonnen in vorgegebenen Bahnen zu leiten und mit dem massiven Einsatz von Bus & Bahnen sp√ľrbar zu entlasten. Und sp√§testens seit der Einf√ľhrung der Tunnel ist es dank unterirdisch verlegter Autobahnen realistisch, das Verkehrschaos nachhaltig in den Griff zu bekommen. Allerdings auch bei mir unter dem massiven Einsatz vom Trial and Error-Vorgehen ūüėČ

      Gesch√§ftige Gr√ľ√üe, Krony

      Kontern!

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